querbeet im april

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2x fritillaria imperialis

fritillaria_imperialis_dom_ms_500   fritillaria_imperialis_altona_garten_500

l.: im st.-paulus-dom, münster. die schranken der drei galenschen kapellen sind u.a. mit kaiserkronen in töpfen/vasen geschmückt (→ ‘garten-bluhmen, aus blossem wasser, sonder erde, gewachsen’). die kapellen wurden von christoph bernhard von galen, fürstbischof von münster, in auftrag gegeben und zwischen 1661 und 1663 gebaut. r.: dekablog10’s fritillaria imperialis und fritillaria persica im „eigenen garten“.

fritillaria imperialis: vanitas im frühling / ‚die kaiser-crone‘ von barthold heinrich brockes

fritillaria_imperialis_brockes_500   die kräfte der zwiebel schwinden: die fritillaria imperialis / kaiserkrone hat nur noch zwei blüten…

Es sieht die holde Kaiser-Crone
Von ihrem hoch-erhab’nen Throne
Beständig auf die Erd‘ herab,
Die ihre Wieg‘ und auch ihr Grab.
Ach möchten doch von ihren Höhen
Die Fürsten so herunter sehen!

Die Augen, welche, wie Krystallen,
In diesen Bluhmen offen stehen,
Die lassen oftermahl
Fast Honig-süsse Thränen fallen.
Ach möchten sich doch auch die Grossen fassen,
Und, nach dem Beyspiel dieser Bluhme,
Vergnüg’t durch ihrer Hoheit Strahl,
Dem GOTT, der sie so groß gemacht, zum Ruhme,
Auch Freuden-Thränen fallen lassen!

Der bitter-süssliche Geruch,
So aus den Kaiser-Cronen quillt,
Ist ein mit Lehr‘ erfülltes Bild,
Daß auch der allerhöchste Stand
Mit Bitterkeit oft angefüllt.

Auf dieser Bluhmen Cronen-Spitzen
Sieht man ein Büschel Gras nicht ohn Bedeutung sitzen.
Ach dächten doch die Grossen dieser Erde,
Bey dieser Bluhm‘, an ihre Flüchtigkeit,
Und daß auch Gras, nach kurzer Zeit,
Gecrön’te Häupter decken werde!

barthold heinrich brockes, ‚die kaiser-crone‘, 1727, aus ‚irdisches vergnügen in gott, bestehend in physicalisch- und moralischen gedichten’, 1721 – 1748

hyacinthus orientalis / hyazinthen im glas gegen den winterblues: ‚garten-bluhmen, aus blossem wasser, sonder erde, gewachsen‘ von barthold heinrich brockes

der_neu-angekommene_holländische_gärtner_ill_500   „Wann sich die Kunst und Fleiß zusammen fügen / So können Sie fast die Natur besiegen“: titelkupfer aus (anonym) ‚der neu-ankommende holländische gärtner: oder gründlicher und deutlicher unterricht, wie die holländische blumenzwiebel, als tulipen, hyacinthen, narcissen, jonquillen, irides, martagons, ranunculn, anemonen etc. in unserem ober-teutschland am sichersten zu pflegen, zu warten und zu vermehren sind. ein werk, so sich um […], nebst einen anhang, wie blumen ausser der zeit mitten im winter in einem wasser-glas, ohne schaden der zwiebel, hervorzubringen […]‘, 1737

___

[…]

So rief ich, als mein Freund, den die gelehrte Welt
Fast für ein Wunder hält,
Mein Richey, der hieselbst mit solchem Ruhme lehret,
Mir etwas, so ich nie gesehn,
Und welches doch so rar, als schön,
Jüngst zugeschicket und verehret.
Ein angenehmes Frühlings-Kind,
Das, ohne Mutter, war gebohren,
Zu einer Zeit, da alles noch gefroren,
Ein‘ Ambra-volle Hyacinth‘,
Die unvergleichlich blüht‘, auch unvergleichlich roch,
Und die, o Wunder! jedennoch
Die Erde nie in ihrem Schooß geheget,
Noch sie, mit ihrem Nahrungs-Saft
Und der in ihr verborg’nen Kraft,
Gesäugt, ernährt, verpfleget,
Sah ich vor meinen Augen stehn.
Die Zwiebel war, so wie die Bluhme, bloß,
Ohn‘ Erd‘, in freyer Luft zu sehn.
Ein Glas, so nicht besonders groß,
Erfüllt mit klarer Feuchtigkeit,
Ließ mir, zu gleicher Zeit,
Die Wurtzeln, die so weiß, wie Silber, schauen.
Sie sahen selbst fast wie ein Bluhmen-Straus,
In den so angenehm geschlung’nen Zäsern, aus.
Kaum konnt‘ ich meinen Augen trauen.

Was die Natur uns bis daher versteckt,
Und was sie gleichsam recht mit Sorgen,
Im Schooß der Erden, uns verborgen.
Wie sie die Wurtzeln zeugt, ernähret, dehnt und streckt,
Wird unsern Augen nun entdeckt.
Wie sehr bewundert‘ ich, daß etwas wachsen könnte
Gantz ausser seinem Elemente;
Ja was noch mehr, daß menschlicher Verstand,
In so viel tausend Jahren,
Dergleichen niemahls noch erkannt,
Und nichts davon erfahren,
Da es jedoch so leicht, daß jedermann,
Der es nur einmahl sieht und hört, es machen kann!

Man setzet auf ein Glas,
Das voller Wasser ist,
Die Bluhmen-Zwiebel auf, so daß sie kaum das Naß,
Mit ihrem untern Theil, berühret.

Das ist die gantze Kunst, worauf, in kurtzer Frist,
Das Glas voll Wurtzeln wird, der Stiel sich aufwärts führet;
Und kommt sodann, in wenig Zeit,
Die Bluhme zur Vollkommenheit.
Derselben fehlet nichts an Farb‘, an Zierlichkeit,
An lieblichem Geruch, der kräftig, uns zu rühren.

Mein Gärtner hat, hiedurch bewogen,
Auf gleiche Weise, Lilien,
Narcissen, Kaiser-Kron- und Tulpen aufgezogen.
[…]

barthold heinrich brockes, ‚garten-bluhmen, aus blossem wasser, sonder erde, gewachsen‘, 1727, aus ‚irdisches vergnügen in gott, bestehend in physicalisch- und moralischen gedichten’, 1721 – 1748

  • michael richey: ein freund brockes und autor des buches ‚idioticon hamburgense oder wörter-buch zur erklärung der eigenen, in und um hamburg gebräuchlichen nieder-sächsischen mund-art‘, 1755

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george_voorhelm_traité_sur_la_jacinthe_ill_500   hyazinthen im glas und im blumentopf, wahrscheinlich delfts blauw. ill. aus george voorhelm, ‚traité sur la jacinte: contenant la maniere de la cultiver suivant l’experience qui en a été faite‘ 1762

fritillaria

fritillaria

pflanzzeit: o.l. fritillaria imperialis ‚aurora‘ / kaiserkrone, u.l. fritillaria persica / persische kaiserkrone und r. fritillaria meleagris / schachbrettblume