querbeet im juni

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„mit schönen Glöcklein behenckt“: digitalis / fingerhut

WaldtGlöcklein oder Fingerkraut. […]

In den hohen dunckelen Wäldern / und in den finsteeen feuchten Thälern / als im Schwartzwald / Waßgaw [südteil des pfälzerwaldes und nordteil der vogesen] und Ydar / an den orten da mann Kolen brennet / als umb die Eysenschmitten / würdt diß gewächß mit seinen schönen Glöcklein im hewmonat [heumonat, juli] Und Augustmonat gefunden / seine schwartzgrüne / lange / und breytte Blätter seind zu rings umd etwas zerkerfft / vergleichen sich etlicher massen der Waldtwullen / doch etwas schmähler. Im Brachmonat [juni] dringet der runde Stengel auß der kurtzen zasechten Wurtzel / Elen hoch ubersich / ist von unden an / biß oben aussen / mit schönen Glöcklein behenckt / etliche seind gäl / die anderen schön braunroth / ohn allen geruch / so die außfallen / folgen hernach runde bollen / oder knöpfflein / allerdings wie die bollen am Goldt knöpfflein kraut / darinn ist verschlossen der lang breyt Samen / und ist solch gewächß am geschmack vast bitter.

Von den Namen.

Der blätter und stengel halben / möcht diese Waldtschell wol bey Verbasculis [verbascum / königskerzen] herberg finden / in Diosco[rides] lib. iiif cap. xcix. Aber der blumen und wirckung halben / stünds nicht ubel von der den Bynsaugen [melissa officinalis / melisse]/ Galiopsis [galeopsis / hohlzahn] / Diasco[rides] lib. iiij. Cap. rc. Ein jeder halts war für er will / wir nennen diß Kraut / der spitzigen glöcklein halben / Waldglöcklin / Nola sylvestris / andere sagen ihm Fingerkraut / Digitalis.

Wegen der Blätter würdt diß simplex Verbascum geheissen / weil er den Verbascis gleich. Aber der Blumen halben / so sich einem Fingerhut und Glöcklein vergleichen / heist es nicht unbillich Digitalis & campanula. […]

Von der Kraft und Würckung.

Der geschmack zeyget an / das diß gewächß von art und natur warm und trucken sein muß / derhalben möcht es zur Artzney mit andern gewächsen zu den dingen / so erwärmens / zertheylens / und reinigung bedörffen / genommen und gebraucht werden.

Weil diß simplex sehr bitter ist / wie Entian / so ist offenbar / das es zimlich trucken und hitzig. .Zertheilt / eröffnet / säubert und reiniget. Dann es lehret Galenus [galenos von pergamon, galen] l 4 simpl. c. 7. das die simplicia, so sehr bitter / reinigen / abwüschen / säubern / das Geäder eröffnen / die zähen duecken feuchtigkeiten zertheylen / den Koder und Eytter auß der Brust und Lungen machen außwerffen.

hieronymus bock, ‘new kreütter buch […]‘ zitiert nach der 4. ausgabe: hieronymus bock, melchior sebisch, ‚kräutterbuch weylandt des weitberhümmten vndt hocherfharnen herren hieronymi tragi genant bock‘, strassburg, 1630 Weiterlesen

querbeet im juni

querbeet_06_15 Weiterlesen

die flora des brockens (vom besen aus nicht zu sehen!) / ‚beschreibung des gantzen fürstlichen braunschweigischen gartens zu hessem‘ von johann royer

Dieser Berg / drey Meilweges von Hessem / vorn in dem Hartze gelegen / ist wegen seiner grawsamen Höhe und Grösse weit beschryen / kan über etliche Meilen gesehen / aber nicht eher als ümb S. Johannis Baptistæ erstiegen und besichtiget werden/ der Kälte und Schnees halber/ so sich daselbsten nach Pfingsten allererst verleuret / sonderlich ist dieser Berg / vieler vornehmer Kräuter wegen / so da von sich selbst herfür kommen / sehr berühmt / Als unten herumb Libanotis alba major [laserpitium latifolium l. / breitblättriges laserkraut], wie auch die andern species, Angelica sylvestris [wald-engelwurz], Myrrhis montana [chaerophyllum hirsutum / behaarter kälberkropf], Betonica [stachys / zieste], Ulmaria [filipendula ulmaria / echtes mädesüss] , Lysimachia [gilbweiderich] flore purpureo, auch eine mit schönen schneeweissen Blumen / Campanula persicisolia flore cæruleo [campanula persicifolia l. / pfirsichblättrige glockenblume] & albo [weiss], Lychnis [pechnelken] sylvestris roth vnd weiß / etzliche species Geranij [geranium / storchenschnabel], eine sonderliche schöne Althæa [eibisch] , wie auch me sonderliche Malva [malven], besser hinan am Berge stehet ein schön Ononis [hauhecheln] sine spinis, an die anderthalb Ellen hoch/ mit schönen Purpurbraunen Blumen / Osteritum montanum oder Imperatoria [imperatoria ostruthium / meisterwurz] nigra, das Martagon [lilium martagon / türkenbund] habe ich daselbst gar schön mit Leibfarben / weissen / auch wunderlich genaculirten Blumen viel auff einem Stiel gefunden / so ich mit Fleiß auffgehaben / und in den Fürstl. Lust-Garten geplantzet / die Hepatica nobilis [leberblümchen] ist gleichfals da zu finden mit unterschiedlichen Farben Blumen / so wol die Helleborine latifolia [epipactis helleborine / breitblättrige stendelwurz] & angustifolia [epipactis palustris / sumpf-stendelwurz], darunter ich eine angetroffen mit bundten Blättern / halb weiß und halb grün / sehr lieblich anzusehen / Ein fein Digitalis [Fingerhut] mit gar grossen Farben Blumen / ein frembder Sonchus [cicerbita alpina / alpen-milchlattich], über 2 Ellen hoch / mit schönen grossen Himmelblawen Blumen und starcken Wurtzeln / so ich auch außgehoben / Daucus montanus [meum athamanticum jacq / bärwurz], Dryopteris [dryopteris filix-mas / echter wurmfarn], Orchis Testiculus vulpis [stendel- oder hundswurz] und Satyrium [händelwurz] mancherley Arten / ein schön Lathyrus [platterbsen] mit rothen Blättern / Centaurium minus [centaurium erythraea / echtes tausendgüldenkraut] mit rothen und weissen Blumen / Prunella major flore albo [prunella laciniata / weiße braunelle], Consolida media [ajuga reptans / kriechender günsel oder ajuga genevensis / heide-günsel], Consolida [consolida / feldrittersporne] Sarracenica, Virga aurea [?], Scordium montanum [teucrium scorodonia / salbei-gamander], ein schön Scrophularia major [scrophularia nodosa / knotige braunwurz], Parietaria [glaskräuter], Seseli montanum [berg-sesel], Symphytum majus [symphytum officinale / echter beinwell], Pulmonaria [lungenkräuter] unterschiedlich / Baccharis, Victorialis [allium victorialis / allermannsharnisch], Herba paris [paris quadrifolia / einbeere], Polygonatum latifolium [polygonatum multiflorum / vielblütiges salomonssiegel] & angustifolium [polygonatum verticillatum / quirlblättrige weißwurz], Noli me tangere [impatiens noli-tangere / grosses springkraut], Filix mas [dryopteris filix-mas / echter wurmfarn] und fœmina [pteridium aquilinum / adlerfarn], worunter jenes offt eines grossen Mannes Höhe erreichet / und hat eine Wurtzel wie ein Kinderkopff in die ründe / Asplenium [Aspleniaceae / streifenfarngewächse] zweyerley / ein fein kleines und subtiles / und ein gar grosses/ Bistorta major [bistorta officinalis / schlangen-knöterich] & minor [bistorta vivipara / knöllchen-knöterich], Acetosa montana maxima [rumex alpestris jacq / berg-sauerampfer], wird von den Einwohnern des Orts Blockenbergische Rhebarbar genennet / Dentaria [zahnwurz] Matthioli und Dentaria minor, und Baceifera [cardamine bulbífera / zwiebel-zahnwurz], Christophoriana [actaea spicata l. / ähriges christophskraut], Cistus ledon foliis [cistus laurifolius l. / lorbeerblättrige zistrose], Rosmarini, oder wilde Rosmarin / Myrtillus [vaccinium uliginosum / moorbeere] oder Heydelbeer / derer habe ich sechserley Art da gefunden / eine mit gar grossem Laub und Beeren schwärtzlich/ die andere mit viel kleinerm Laub und schwartzen Beerlein / so am gemeinesten / die dritte Art ist wieder umb groß von Laub und schwartzen Früchten / so aber zu essen nicht so dienlich / weil sie gleich einen Schwindel im Haupt verursachen / Dann sind die rohthen Heydelbeeren / sonsten Kronsbeer genand/ deren etliche viel kleiner von Holtz und Laub / die andern aber viel grösser/ auch schöner an Früchten / Die letzte ist mit schönen weissen Beeren / so lieblicher zu essen denn die rothen. Rubus Idæus oder Himbeer sind auch häuffig da / wie auch besser hinan das Alisma [froschlöffel] mit sehr grossen gelben Blumen/ noch ein sonderlich Sonchus [gänsedistel] mit gelben Blumen / ein hoher Ranunlus mit weissen Blumen/ Ranunculus nemorosus [ranunculus nemorosus / wald-hahnenfuss] foliis pictis, item radice Asphodeli. gleich dem Illyrico, Rapunculus mit weissen und blawen Blumen / Noch ein sonderlich Rapunculus nemorosus mit schönen weissen Blumen / und ziemlich grossen Wurtzeln. Oben auff dem Berg ist die Pulsatilla [pulsatilla alpina subsp. alba syn. anemone alpina l. / brockenanemone oder kleine alpen-kuhschelle] in grosser menge / were zu wünschen / daß man zu der Zeit hinauff kommen köndte / da sie blühet / weil sie vielleicht unterschiedlicher Farben Blumen trägt / ist aber wegen vieles Schnees nicht fast müglich / Mit schönen Violbraunen und gelben Blumen ist sie daselbst außgehaben / so wächset auch droben ein feines Kräutlein / wie das Coris Monspeliaca anzusehen / so wol ein Leontopodion [leontopodium / edelweiss] , etzliche Species Gnaphalij [gnaphalium / ruhrkräuter] , worunter eines mit sehr schönen grossen weissen Blumen / Stœchas Citrina mit schönen grossen Blättern und goldgelben Blumen / Erica baccifera [empetrum nigrum l. / schwarze krähenbeere], item Erica maxima purpurascens foliis longioribus, von dem Moos sind auch unterschiedliche Arten auff diesem Berge zu finden / als Muscus terrestris clavatus, Muscus clavatus foliis Cupressi [lycopodium clavatum l. / keulen-bärlapp], Muscus terrestris ramosus floridus, Muscus Coralloides sive cornutus montanus, Muscus coralloides saxatilis, Cervi cornua referens, Muscus terrestris coralloides erectis cornibus ruffescentibus, &c. Und sind diß gewiß die allerwenigsten Gewächse selbiges Orts / Dann wie viel sind deren wol / die mir nicht in die Augen kommen / dieweil ich nur ein paar mahl diesen Ort besuchet? Wie viel sind auch derselbigen Kräuter / darzu man / wegen Unbequemligkeit desselben Orts / nicht kommen kan? Wie viel sind der gemeinen Kräuter/ die ich zwar da angetroffen / aber / weil ich nicht gewust / ob sie mit jhrer Blume von andern unterschieden / nicht melden wollen.

johann royer, ‚beschreibung des gantzen fürstlichen braunschweigischen gartens zu hessem / mit seinen künstlichen abtheilungen / quartieren / gehecken/ gebäwden / lauberhütten / wasser-künsten / brunnen/ und außgehawenen bildern. auch ordentliche richtige specification aller derer simplicium und gewächse / so von anno 1607 biß in das 1647 jahr darinnen mit grosser lust und verwunderung gezeuget worden‘, ‚das II. capitul. von denen kräutern / blumen und gewächsen / so die benachbarte wälder / berge / gründe / brüche / und der gaterschlebische see-berg uns von sich selber geben – VII. der blockesberg‘, halberstadt, 1648.

royer_beschreibung_brocken_500   und der brocken liegt in niedersachen… kupferstich aus johann royer, ‚beschreibung des gantzen fürstlichen braunschweigischen gartens zu hessem‘.

ps. eine anmerkung für brocken-touristen: pflanzen für den eigenen „lustgarten“ ausgraben ist heute verboten!