„raus aus dem garten!“

mit anke schmitz (garten auf freigang) in der ausstellung ‚thomas gainsborough. die moderne landschaft‘ in der hamburger kunsthalle:

gruenesblut.net

 

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… von herrn pastor sien gaoren, jau, jau …

... von herrn pastor sien gaoren, jau, jau ...

[…]Der Pastoratsgarten fristet ein Schattendasein. Selten wird er in Stellenausschreibungen erwähnt. Kaum vorstellbar, dass eine Gemeinde für sich wirbt mit der Passage: „Wir suchen einen Pastor, der die Lust und Liebe mitbringt, sich um die Pflege des Pfarrgartens zu kümmern.“ Geschweige denn: „Wir suchen eine Pastorin mit landwirtschaftlichen Vorkenntnissen. Bauerstöchter werden bei gleicher Qualifikation bevorzugt eingestellt.“

Der Pfarrgarten, neben den pfarrlandwirtschaftlichen Flächen, einst Hauptnahrungsquelle der Pastorenfamilie, ist meist aus Zeitgründen zur Nebensache geworden. Aus dem sorgfältig gepflegten geistlichen Grün, einst das A und O des pastörlichen Arbeitstages wurde oft ein ABC-Garten. Asphalt, Beton und Cotoneaster plus Einheitsrasen.

Es ist dem Buch „Historische Pfarrhöfe und Pastoratsgärten“ von Bernd Wendland zu verdanken, dass der Pfarrgarten wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit treten kann. Am Anfang stand dabei die Idee der Nordelbischen Kirche [seit 2012 Ev.-Luth. Kirche in Norddeutschland], eine einfache Handreichung für Gemeinden herauszugeben, wie sie die historischen Gärten in Zukunft schützen und pflegen könnten. Wendland sollte die noch bestehenden historischen Pfarrgärten, dabei wurde vornehmlich an repräsentative Ziergärten und Parks gedacht, dokumentieren.

Dem Agraringenieur wurde sehr schnell bewusst, dass solche „Lustgärten“ eher die Seltenheit waren und, da meistens nicht gepflegt, auch bleiben würden. Vier Jahre Forschungsarbeit steckte Wendland in das Buch, das wegen der Fülle an Informationen, noch dazu unterhaltsam geschrieben, von einem Kritiker zum Standardwerk, dem „Wendland“, gekürt wurde.

„Der Garten war immer nur ein kleiner Teil des landwirtschaftlichen Pfarrbetriebs“, so Wendland. Der Pfarrer musste seit den Tagen der Reformation zur Sicherung seiner Existenz als Leiter eines landwirtschaftlichen Betriebs, des Pfarrhofs, arbeiten, und konnte sich weniger als Liebhaber seltener Zierblumen betätigen. Die Pastoren brachten teilweise einschlägige Erfahrungen in diesen Dienst ein, der neben der Landwirtschaft, Gartenbau, Fischwirtschaft und Imkerei umfasste. Entweder stammten sie selbst „vom Hof“ oder wussten als Pfarrerssöhne, was sie erwartete.

Hier ragt als Beispiel Philip Ernst Lüders hervor, der seine landwirtschaftlichen Erfahrungen auf dem Hof seines Großvaters in Satrup in Angeln sammelte.

Wenn in diesem Tagen der 250. Jahrestag des „Kartoffel-Befehls“ Friedrich II. von Preußen, der den Anbau der Knolle im sandigen Brandenburg befahl, gefeiert wird, darf auch die Erwähnung des „Kartoffel-Propsten“ Philip Ernst Lüders (1702 – 1786) aus Glücksburg nicht fehlen.

Lüders ist zu verdanken, dass die amerikanische Knollenfrucht ihren Siegeszug zumindest durch nordelbische Küchen antreten konnte. Der deshalb „Kartoffel-Propst“ genannte Lüders, ein Aufklärer und seltenes „Original“, überzeugte die Bauern über die Vorzüge der „Potate“ oder „Cartoffel“, die zunächst wegen der giftigen Beeren meinten „die Potatos-Frucht sey nichts für Menschen, wer könnte selbige essen?“.

Wer im geistlichen Stande lebt, von dem glaubt der Landmann im Voraus, daß er von dem Ackerbau eben nicht viel verstehen müsse.*

Die Bauern betrachteten die aufklärerische Tätigkeit Lüders mit Argwohn, ebenso die pietistisch geprägte Kirchen-Obrigkeit, denen Lüders sich zu viel mit landwirtschaftlichen Fragen abgab, als mit geistlichen Dingen. Für Lüders bildeten beide Bereiche eine Einheit, und so trat der „praktische Christ“ auch vehement für die Aufhebung der Leibeigenschaft ein.

Man suchte, mir ein Theil meiner Mithelfer zu entreißen. Der Vorwand war: Es gezieme denselben nicht, sich mit dem Ackerwesen abzugeben.*

Durch seine Erfolge in der landwirtschaftlichen Anbauverbesserung und der Einführung von Klee, Lein, Korbweiden und verschiedenen Obstsorten bewies Lüders zumindest den Bauern und dem dänischen Hof, dass er, der Pastor, ein ernstzunehmender Gesprächspartner war, der etwas von der Sache verstand.

Das führte 1762 zur Gründung der „Königlich Dänischen Acker-Academie“ in Glücksburg unter dem Motto „Niemand für sich, ein jeder für alle“. Hier im Pastorat reiften die Pläne, die später zur Einrichtung landwirtschaftlicher Schulen im Lande führten.

Wendland bettet das Portrait von Lüders und seiner Amtsbrüder ein in den kulturellen und geschichtlichen Zusammenhang ihrer Zeit. Wer sich eingehender mit der Sozial-, Kultur-, und Pfarrgeschichte und Fragen zu Ökologie und Ökonomie befassen will, der findet in dem „Wendland“ reichlich Stoff und Anregung. Und möglicherweise auch – lernen von den Alten – den Einstieg in eine jahrhundertelang bewährte und geerdete Form pfarrherrlicher Entfaltungsmöglichkeit.

An ausführlich dokumentierten Beispielen, […], können Gemeinden Anregungen sammeln, wie sie, zum Beispiel durch die einfache Pflanzung einer Streuobstwiese, ihren monotonen Rasengarten wiederbeleben können.

Bernd Wendland: Historische Pfarrhöfe und Pastoratsgärten – Ein Buch für Geistliche, Historiker, Landwirte, Natur- und Gartenfreunde, Verlagsgruppe Husum 2004.

dietrich kreller

der text erschien zuerst 2006 in der ’nordelbischen kirchenzeitung‘. [danke an den autor für die erlaubnis zum „wiederabdruck“.]

* philipp ernst lüders, zitiert nach berthold hamer, ‚glücksburger biografien‘, verlagsgruppe husum, 2010

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augustin wibbelt (1862 – 1947)

eine katholischer pastor aus dem münsterland und sein garten am niederrhein:

wibbelt_garten   pastor im garten, lesend. die romantische vorstellung …

der münsterlander priester und mundartdichter betitelte seinen 1912 erschienen gedichtband ‚pastraoten-gaoren‚:

Es waren herrliche, sonnige Septembertage, und ich schaute sehnsüchtig hinaus in den Garten, bis es mir einfiel zu dichten.

seine lebenserinnerungen erschienen 1946 unter dem titel ‚der versunkene garten‚.

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gemeinschaft ‚dinge, die ein evangelischer pfarrer nicht sagt‚ auf facebook.

dinge_garten_zens