brassica rapa subsp. rapa: stielmus oder rüben mal oberirdisch

die erhaltung alter kulturpflanzen ist wichtig. die nutzungsvielfalt unserer kulturpflanzen wird häufig übersehen: z.b. brassica rapa subsp. rapa var. majalis / mairübe, brassica rapa l. subsp. rapa var. teltowiensis / teltower rübchen oder brassica rapa subsp. rapa var. esculenta / herbstrübe. manchmal gibt es keine rüben. bis zur unterirdischen ernte schaffen die pflanzen es nicht. die blätter werden geerntet: stielmus – im westfälischen platt „streppmaut“ genannt – oder rübstiel, stängelmus, etc..

als erstes grünzeug im frühjahr unschlagbar. meist nur regional, z.b. in westfalen oder in rheinland, bekannt. heute selbst dort  fast vergessen.  auf wochenmärkten schwer zu finden. im supermarkt braucht man erst gar nicht nachfragen…

stielmus_schulze_buschhoff   wochenmarkt auf dem domplatz in münster: stielmus am stand vom hofgut schulze buschhoff / ökullus.

wer keinen markt in der nähe hat oder in der „falschen“ region wohnt kann sich auf henriette davidis verlassen.

im gemüsegarten:

April

Stielmus oder Rübstiel

Es wird eine zweite Aussaat davon gemacht

[…]

August

Stielmus (Rübstiel.)

Wo es üblich ist Stielmus zum Herbstgebraucht oder Einmachen im Garten zu ziehen, da säe man den Samen, wozu Rübensamen dient, im Anfange dieses Monats, sobald ein leer gewordener Raum, etwa ein abgenutztes Beet mit frühreifen Kartoffeln, sich darbietet, dünn aus. Trübe, feuchte Witterung ist für die Aussaat des Rübensamens jeder Art die geeignetste, führt schon nach drei Tagen ein Grünwerden herbei und bewirkt ein gutes Gedeihen. Bei Dürre, welche gewöhnlich viele Erdflöhe erzeugt, die den Rübensamen nicht aufkommen lassen und die jungen Pflänzchen, sobald sie das Licht erblicken, zerstören, thut man besser, Regen abzuwarten (indem sonst meistenthils die Aussaat vergeblich ist), und wäre es auch bis gegen den zwanzigsten dieses Monats. Man kann alsdann freilich nicht mehr auf Rüben rechnen, das Stielmus aber erhält bei einem guten Herbst noch die gewünschte Lange.

henriette davidis, ‚der gemüse-garten – praktische anweisung zur kultur eines gemüsegartens unter berücksichtigung der schönheit und des reichlichsten ertrages; so wie auch das nöthige über lage, boden, umzäunung, einrichtung, dünger, garten-geräthschaften, kultur der pflanzen und […] sowohl nach eigenen, als nach den langjährign erfahrungen praktischer gartenfreunde mit besonderer berücksichtigung der anfängerinnen und angehenden hausfrauen.‘, iserlohn (vierte verbesserte und vermehrte auflage), 1859 (erstausgabe 1850).

& ab in die küche oder wie henriette davidis sagen würde „man nehme“:

Rübstiel

Von den Blättern der schnell aufgeschossenen Rüben, wird das junge Kraut abgestreift, die Stengel werden fein geschnitten, gut gewaschen und abgekocht. Dann wird Butter mit etwas Mehl durchgeschwitzt, süße Sahne oder Milch, etwas Muskatnuß oder Salz dazu gegeben und das Rübstiel darin gestovt.

Als Beilagen: Bratwurst, Escalopps, Fricadellen, gekochter Schinken.

henriette davidis, ‘praktisches kochbuch für die gewöhnliche und feinere küche: zuverlässige und selbstgeprüfte recepte zur zubereitung verschiedenartigster speisen […] ; mit einem anhange, enthaltend arrangements zu kleinen u. größeren gesellschaften, […]. mit besonderer berücksichtigung der anfängerinnen und angehenden hausfrauen’, düsseldorf (dritte verbesserte und vermehrte auflage), 1847 (erstausgabe 1845).

oder: das Stielmus kurz in heisses wasser schmeissen & fein geschnitten unter kartoffelpüree mischen… die bratwurt wartet schon in der pfanne!

stielmus_küche   bei muttern in der küche…

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buxus sempervirens / buchsbaum: „die feinsten Einfassungen vorzüglich zu kleinen Gärten“ / eine pflanzanleitung von henriette davidis

der buxus sempervirens / buchsbaum ist eine konstante als beeteinfassung in der gartengeschichte. von den gärten der römischen villen über den mittelalterlichen klostergarten. von den gärten des barock bis zum bauerngarten

So ein kleiner, bescheidener holsteinischer Bauerngarten mit seinem Blumenkunterbunt, mit seinen Buchseinfassungen, dem letzten Ueberbleibsel des Versailler Parkes, […]

detlev von liliencron ‚roggen und weizen‘, 1900

cylindrocladium buxicola / triebsterben, volutella buxi / buchsbaumkrebs, fusarium buxicola / buchswelke und dem cydalima perspectalis / buchsbaumzünsler zum trotz: eine pflanzanleitung von henriette davidis oder wie sie in ihren kochbücher zu sagen pflegt: „Man nehme …“

Es ist gar nicht in Abrede zu stellen, daß Einfassungen der Beete mit Sauerampfer, Thymian, Schnittlauch u. dergl., besonders in Gärten großer Haushaltungen auf dem Lande, den größten Nutzen für Menschen und Vieh hervorbringen; zugleich werden sie den Boden am wenigsten ausmagern, sind auch leicht zu reinigen, ohne große Mühe und Kosten umzupflanzen und leicht auszubessern. Dennoch gibt man, der Schönheit und Bequemlichkeit wegen, mit Recht Einfassungen aus Buxbaum den Vorzug. Derselbe kann bei günstiger Witterung das ganze Jahr hindurch verpflanzt werden; die beste Zeit zur Anlegung ist jedoch der März oder des Anfang des April, da man alsdann sicher sein kann, daß nicht einzelne Stellen in der Einfassung verdorren, was im Spätherbst oft der Fall ist. Denn der Buxbaum bedarf einer geraumen Zeit, ehe er gehörig angewachsen und die nöthige Kraft gewonnen hat, die strenge Kälte des Winters zu ertragen, die im entgegengesetzten Fall ihn ganz zu Grunde richtet.
Buxbaum von jungem Wuchs liefert die feinsten Einfassungen vorzüglich zu kleinen Gärten; in sehr großen Gärten jedoch, wo der Buxbaum dicker gelegt wird, kann auch altstämmiger benutzt werden. Um beim Zertheilen des Buxbaums recht vorsichtig zu Werke zu gehen, nehme man dazu ein Gartenmesser und theile die Stöcke so, daß jeder Theil eine Partie Saugwurzeln behält, welches das Anwachsen um so mehr sichert. Diese Mühe aber wird nicht Jeder sich geben, vielmehr es vorziehen, zu dieser Arbeit ein Beil zu gebrauchen, wobei es dann nöthig ist, solche Theile wegzuwerfen, die nicht gehörig mit Saug- oder Neben-Wurzeln versehen sind. Zugleich werde auch ein Theil der Blätter abgehauen, und nicht versäumt, die Quecken, welche sich etwa vorfinden sollten und die sich so gern beim Buxbaum einnisten, zu entfernen. Bleiben beim Zertheilen der Stöcke die Wurzeln nicht von gleicher Länge, so thut dies gar nichts zur Sache, und kommt es hier nur darauf an, daß die Einfassung eine gleiche Richtung und eine gleiche Höhe erhält.
Darnach werde nun der Buxbaum an eine schattige Stelle gelegt, und zum Auswerfen der Furchen übergegangen. Diese werden nach der Gartenschnur in ganz gerader Linie, nach den Wegen hin etwas schrägliegend gemacht, damit die Wurzeln ihre Nahrung nicht aus den Beeten, sondern aus den Wegen ziehen. Die Pflanzen werden nun gleichmäßig in die Furchen gelegt, die Wurzeln mit Erde bedeckt und gut angedrückt.
Um den Buxbaum stets recht schön zu erhalten, muß derselbe jedes Jahr, zum wenigsten alle zwei Jahre, geschoren werden,welches aber nicht bei trockener Witterung geschehen darf, weil er dadurch gar zu sehr leidet. Auch muß die Einfassung stets von Unkraut und anliegender Erde befreit, beim Umgraben der Beete sehr geschont, bei großer Dürre zuweilen gegossen, und alle acht Jahre erneuert werden.

henriette davidis, ‚der gemüse-garten – praktische anweisung zur kultur eines gemüsegartens unter berücksichtigung der schönheit und des reichlichsten ertrages; soe wie auch das nöthige über lage, boden, umzäunung, einrichtung, dünger, garten-geräthschaften, kultur der pflanzen und […] sowohl nach eigenen, als nach den langjährign erfahrungen praktischer gartenfreunde mit besonderer berücksichtigung der anfängerinnen und angehenden hausfrauen.‘, iserlohn (vierte verbesserte und vermehrte auflage), 1859 (erstausgabe 1850).