wiesenbau im oberharz im allgemeinen & pfingsten auf den buntenböcker bergwiesen

bergwiesen? als erstes denkt man an eine alm (bayerisch) oder alp (alemannisch) in den alpen:

Wann nun von Titans Glanz die Wiesen sich entzünden,
Und in dem falben Gras des Volkes Hofnung reift;
So eilt der muntre Hirt nach den bethauten Gründen;
Eh‘ noch Aurorens Gold der Berge Höh durchstreift.
Aus ihrem holden Reich wird Flora nun verdränget,
Den Schmuck der Erde fällt der Sense krummer Lauf,
Ein lieblicher Geruch aus tausenden vermenget,
Steigt aus der Bunten Reyh gehäufter Kräuter auf,
Der Ochsen schwerer Schritt führt ihre Winter=Speise,
Und frohlockend Lied begleitet ihre Reise.

albrecht von haller, ‘die alpen’, 1729, in ‘versuch schweizerischer gedichte’, göttingen, 1751 (sechste, regelmässige, vermehrte und veränderte auflage), erstausgabe 1732.

bergwiesen im oberharz

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buntenbock mit bergwiesen. blick vom hasenbacher teich mit einem garten auf den wiesen. l. der ziegenberg; r. der clausberg; dazwischen m. das flurstück ‚taube frau‘; im hintergund der höhenzug ‚auf dem acker‘. postkarte (poststempel 1943). Weiterlesen

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vom gartenbau der harzer / ‚beschreibung des harzes‘ von christoph wilhelm jacob gatterer

Vom Gartenbau der Harzer

§. 156.

Selbst in den höhern Gegenden des Oberharzes, zum Beyspiel um Clausthal, Zellerfeld, Andreasberg &c. &c. hat man so wol gut bestellte Küchengärten, als auch Blumengärten, in welchen Küchengewächse und Blumen von macherley Art gezogen werden. Hingegen in den rauhen und gebürgigten Gegenden um Wildemann und Altenau findet man nur wenige Baum= und Gartenfrüchte, und dann gehören noch sehr gute und warme Sommer dazu, wenn diese zur Reife kommen sollen.

§. 157.

Aber in der Gegend von Clausthal, Zellerfeld, Grund und Andreasberg werden die meisten Arten von Küchengewächsen reif, besonders Salat, allerley Arten von Kohl, und Wurzeln, selbst auch Blumenkohl; doch werden alle diese Gemüse nicht im freyen Felde,sondern in Gärten hinter den Häusern gezogen. – Gurken werden daselbst nich immer reif, sonst aber fast alle Gemüse der benachbarten Gegenden des platten Landes. – Ueberhaupt erscheinen die hir gezogenen Küchen= und Baumfrüchte viel später, und werden später reif, als in den benachbarten Landgegenden. Denn zum Beyspiel erst im August bis zu Ende giebt es hier grüne Erbsen und Bohnen; erstere werden erst im Mai gelegt. – Der Kartoffelnbau ist, obgleich die Kartoffeln recht gut gerathen, doch noch nicht sehr lange eingeführt, und blos der Dieberey wegen werden sie ebenfalls in den Gärten hinter den Häusern gezogen.

§. 158.

Obgleich die Gärten auf dem Oberharze, des längeren Winters wegen viel später, als im benachbarten platten Lande bestellt werden müssen, so wächst doch alles Gartengewächs schneller, als im Lande, weil die Hize, wenn es heiß ist, auch desto stärker ist. Demohngeachtet sucht man hier natürlich alle solche Gewächse, welche mehr Wärme erfordern, z.B. Melonen, Artischocken, Spargel und dergleichen vergebens in den oberharzischen Gärten.

§. 159.

Einige Obstbaumgärten trift man auf dem eigentlichen Oberharze eben so wenig an, doch hin und wieder einzelne Obstbäume in andern Gärten. Denn im Ganzen genommen geräth hier keine Art von Baumobst. Nur selten gerathen einzelne Kirschen, Aepfel und Birnen, wenn diese Obstbäume von Häusern geschüzt werden, und dann sind sie doch allemal von keinem sonderlichen Geschmack; reife Zwetschen sind noch grössere Seltenheiten. – Hin und wieder trift man auch in den Gärten der Oberharzer Johannis= und Stachelbeer=Stauden an. – Walnüsse, Abrikosen, Pfirschen und Weintrauben kommen niemals zur Reife. – Demohngeachtet werden aber die Oberharzer von ihren Nachbarn mit allen Arten von Baumobst so reichlich Versorgt, daß es daselbst nur um ein Geringes Theurer ist, als in den benachbarten Langegenden. Nach Clausthal, Zellerfeld, Andreasberg &c. &c. wird durch die Trägerinnen auch viel Obst aus Osterode, Grund, Goslar &c. &c. geholt.

§. 160.

Desto reicher sind die Waldungen des Oberharzes an verschiedenen Arten von wildem Obst, sonders reich an guten Himbeeren, Erdbeeren, Heidelbeeren und Kronsbeeren, wodurch sich der gemeine Mann nicht nur selbst sättiget und gesund erhält, sondern auch noch, besonders mit leztern in die benachbarten Gegenden ein ganz einträglicher Handel treibet.

§. 161.

Die Küchengärten der Oberharzer sind meistens mit Blumen geziert, und in manchen trift man recht artige Floren von verschiedenen Arten von Tulpen, anderer Zwiebelgewächse, Nelken und anderen Blumen an. Aber die Pflanzen zu denselben müssen auf Mist oder Glasbeeten gezogen werden.

christoph wilhelm jacob gatterer, ‚beschreibung des harzes‘, erster theil, nürnberg, 1792,

schlossgarten schwetzingen: „lehrreich und gleichsam enzyklopädisch“

Besonders lehrreich und gleichsam enzyklopädisch wirkt hier ein Garten im Übergang vom Rokoko zur englischen Anlage: der schönste, der Schwetzinger Schlossgarten. Neben Schilfseen und Urnen wollte hier das Gedächtniswürdige der Welt in Attrappen und Fassaden zusammengetragen werden, ein grüner Schausaal. Aber ein Schausaal, der wiederum nur geäußerte Stimmungen und Wunschbilder zeigte, eine natürliche Schatzkammer aus lauter künstlichen und sentimentalen Schätzen. Grüner Taxus und weiße Götter, Volière und verschwiegenes Badehaus, Apollotempel und Moschee – all diese Wunschbauten frühester Montage sind vereinigt. Es findet sich ein Tempel des Merkur, einer der Minerva (mit unterirdischer Kammer als Kultraum der ‚Weisheit‘), eine künstliche Ruine, ein Tempel der Botanik und ein römisches Wasserkastell – alle aus dem Theater des Barock und Rokoko in den offenen Park übertragen. Das war der Lustgarten großer Herren, der Raum höfischer Naturfeste und Promenaden, doch ebenso liegt bleibend der Hauch einer Phantastischen Entführung und Entlegenheit darüber. Die Arie der Susanne aus ‚Figaros Hochzeit‘ wohnt genau in dieser Gegend, der Adel mozartscher Musik klingt in solchen Gärten dicht neben einer Extravaganz, die aus Geschichte, Mythologie, fremden Zonen ihr sentimentales und kurioses Panorama macht. Selbst Voltaire schrieb 1768 an Collini über den schönsten dieser Parks: „Ich will, bevor ich sterbe, noch einer Pflicht genügen und einen Trost genießen: ich will Schwetzingen wiedersehen, dieser Gedanke beherrscht meine ganze Seele.“ Und unter all den Baumasken, mit denen solche Gärten versehen waren, fehlte ständig eine einzige, die der Kirche. Statt dessen eben sollte Arkadien versinnlicht oder versinnbildlicht sein: im Barockgarten ein Arkadien mit Kuriosität, im englischen Garten eines mit Zephyr, Mondsichel und Nocturno.

ernst bloch, ’schlossgarten und die bauten arkadiens‘, geschrieben im exil in den usa 1938 – 47, in ‚das prinzip hoffnung‘, zuerst in 3 bänden in leipzig, 1954 – 59, erschienen. westdeutsche ausgabe: frankfurt/m., 1959.

1350 ist erstmals eine feste erwähnt. nach dem dreissigjährigen krieg wird das zerstörte schloss unter dem sohn des winterkönigs karl I. ludwig, pfalzgraf bei rhein und kurfürst von der pfalz, ab 1656 wieder aufgebaut. während des pfälzischen erbfolgekriegs (1688–1697) wieder zerstört, fängt man neu an: kurfürst johann wilhelm – für düsseldorfer: jan wellem, herzog von jülich-berg – lässt das schloss neu bauen. nach der zerstörung des heidelberger schlosses – und des hortus palatinus von salomon de caus – wird unter kurfürst carl III. philipp mannheim die hauptresidenz. ab 1718 lässt der kurfürst in schwetzingen einen lustgarten anlegen. 1720 wird schwetzingen offiziell jagd- und sommerresidenz. wie das bei veränderungen so ist, sind nicht alle begeistert. liselotte von der pfalz, tochter von karl I. ludwig, die 1671 mit dem bruder von ludwig XIV., dem herzog von orléans, verheiratet wurde und für den französischen könig der vorwand zum pfälzischen erbfolge- oder orléansschen krieg war, beklagt sich aus frankreich über den garten ihrer kindheit:

Es ist schad, daß man den Garten weg getan; zudem in der lebendigen Hecke, so längs dem Graben war, waren eine große Menge von Nachtigallen, so die ganze Nacht sungen im Frühling. Wo ist aber das artige, klare Bächelchen hingekommen, so durch den Garten floß und bei welchem ich so oft auf einem umgeworfenen Weidenbaum gesessen und gelesen? Die Bauersleute von Schwetzingen und Oftersheim standen um mich herum und plauderten mit mir, das divertierte mich mehr als die Herzoginnen im Cercle. Aber wie bauet man so liederrlich nun, daß ganze Galerien abfallen? […] Ich glaube, wenn ich Mannheim, Schwetzingen oder Heidelberg wiedersehen sollte, glaube ich, daß ich es nicht würde ausstehen können und vor Tränen vergehen müßte.

liselotte von der pfalz, duchesse d’orléans, an luise raugräfin zu pfalz, st.cloud, 24/11/1718.

1742 wird karl theodor kurfürst und lässt das schloss und den garten erweitern. es entsteht der „heutige“ garten. 1777 erbt karl theodor das herzogtum bayern und verlegt die residenz nach münchen. am mannheimer bzw. schwetzinger hof von karl theodor lebte auch sein nachfolger, der spätere bayerische könig maximilian I. joseph mit seiner famile. eine weitere, elegische, kindheitserinnerung seines sohnes an den garten:

Dich vergesse ich nicht, die du Aufenthalt warst meiner Kindheit,
Pfalz! Und auch, Pfälzer, euch nie; ich liebe euch, die ihr mich liebt.
[…]
Wiederum sehe ich mich in Schwetzingens Garten mit meiner
Mutter, der besten, die’s gab, die unvergeßlich mir ist,
Liebliche Stelle, woselbst das Mahl wir, das ländliche, nahmen,
Vor dem Hügel, auf dem raget der Tempel Apoll’s,
Oft betrat ich dich wieder, allein fast übrig von Allen.
Was ich damals gefühlt, fühle ich minder nicht jetzt.
O Erinnerung jener zu eilig entschwundenen Tage!

ludwig I., ‚erinnerung an meine frühe lebeszeit‘, 1809 in ‚gedichte des königs ludwig von bayern‘, dritter theil. 4 bände, münchen,1829 bis 1847.

1803 wird die rechtsrheinischen kurpfalz durch die napoleonische neuordnung und den reichsdeputationshauptschluss badisch.

gärtner, architekten & ein bildhauer

fünf persönlichkeiten haben den garten geprägt und ihn zu einem musterbeispiel für die gestalterischen veränderungen der gärten im 18. jh bis zum 19. jh. gemacht. vom barocken parterre über bosketts zum englischen landschaftsgarten. Weiterlesen