schlossgarten glücksburg

glücksburg_förde_1877_500   glücksburg mit schlossteich, schloss & garten. oben links/nordöstlich die halbinsel holnis in der flensburger förde. oben rechts/nordwestlich die okseøerne / ochseninseln mit sønderhav / süderhaff (von april bis oktober: annies kiosk, hot dogs mit røde pølser…). detail: ‚königl. preuss. landes-aufnahme, blatt 130, glücksburg, 1877. herausgegeben 1879.‘

um 1209/10 gründeten zisterzienser das rudekloster auf dem gebiet des heutigen glücksburg. der klostergarten war der erste garten auf diesem areal.

Der Platz zu dem neuen Kloster soll der König [von dänemark] geschenkt haben, und vielleicht hieß er Kongens=Rye, Rye aber, wovon auch Rüde benannt seyn wird,bedeutet einen Holzanwachs. Man suchte gerne ähnlich klingende lateinische Namen für die Klöster und so wurde dieses Rus regis genannt, d. i. des Königs Feld oder Land, […]
Von dem Rude=Kloster sind nicht viele Nachrichten aufbehalten. Die eigentliche Lage desselben ist nicht genau zu erkennen, weil dort jetzt der Glücksburger Schloßgraben oder See ist. Man hat indessen, wenn der See abgelassen worden, noch den Kirchhof bemerkt, und in den ausgemauerten Gräbern die Leichname der Mönche fast unverweset in ihrer Ordenstracht gefunden. Dies geschah namentlich noch 1763. Das Kloster hatte Landbetrieb und ein besonderes Vorwerk oder einen Meierhof. Beim Kloster war übrigens nur ein kleines Wirthshaus, nach Nordosten hin lag ein Dorf Skovbye und von dort ersteckten sich große Waldungen bis nach Holnis.

hans nicolai andreas jensen, ‚angeln. zunächst für die angler historisch beschrieben‘, flensburg, 1844

1538 wurde das kloster in folge der reformation säkularisiert und fiel 1544 in den besitz des dänischen königs christian III. 1582 belehnte frederik II. von dänemark seinen bruder herzog johann III. von schleswig-holstein-sonderburg, genannt hans der jüngere, mit glücksburg. johann III. liess das kloster abbrechen. das renaissance schloss wurde zwischen 1582 und 1587 von nikolaus karies neben dem ehemaligen kloster gebaut. für den schlossteich wurde das wasser der schwennau und der munkbrarupau aufgestaut.

glücksburg_rudekloster_schwan   ein schwan auf dem schlossteich: ungefähr über den resten des rudeklosters.

der name ‚glücksburg‘ für das schloss, und später den ort, bezieht sich auf den wahlspruch johann III.: ‚gott gebe glück mit frieden‘, abgekürzt über dem schlossportal: ‚G G G M F‘.

Dieser Ort, welcher eine eigene Gemeine bildet, ist ganz vom Kirchspiel Munk=Brarup umschlossen, und verdankt seine Entstehung dem Schlosse, […], ein alterthümliches, starkes, durch und durch gewölbtes Gebäude, innerhalb der Mauern 50 Ellen im Quadrat haltend, an den vier Ecken mit Thürmen versehen, und mit einer 1768 erneuerten Spitze auf dem mittlersten der drei Dächer, mit denen das Schloß versehen ist.[…] Seitwärts von dem Schlosse liegen die Nebengebäude. Der Schloßgarten ist 1733 angelegt, da wo früher der Ladegaard oder Meierhof (Vorwek) stand, […] Die Häuser [des ortes] liegen meistens in den Gärten sehr anmuthig, wie denn überhaupt Schloß und Flecken eine herrliche Lage haben, in einer Gegend, die an Naturschönheiten reich ist. Aber da der Ort durch die Hofhaltung entstanden und davon abhängig ist, besitzt er sonst keine Nahrungsquellen. Ausser einigen Handwerkern wird Gartenbau getrieben und Obst und andere Gartengewächse nach Flensburg, welches nur eine Meile entfernt liegt, abgesetzt. […] Pensionisten und Leute, die sonst ihr Leben in Ruhe beschliessen können und wollen, pflegen sich wohl an diesem freundlichen Orte niederzulassen.

hans nicolai andreas jensen, ‚angeln. zunächst für die angler historisch beschrieben‘, flensburg, 1844

nach johanns‘ tot erhielt sein sohn philipp das schloss und die ländereien. er begründete die ältere linie des hauses schleswig-holstein-sonderburg-glücksburg.

[kurze anmerkung zwischendurch: die sache mit den linien & die sprünge – aus heutiger sicht – von dänemark nach deutschland und zurück lassen sich in schleswig-holstein (ebenso in hamburg-altona) nicht vermeiden. oder um es mit einem zitat zu sagen:

„Only three people,“ said [prime minister] Palmerston, „have ever really understood the Schleswig-Holstein business – the Prince Consort, who is dead – a German professor, who has gone mad – and I, who have forgotten all about it.“

lytton strachey, ‚queen victoria‘, 1921.]

der erste barocke lustgarten wurde von 1706 bis 1709 unter herzog philipp ernst von dem gärtner jürgen lorentzen angelegt. 1733 , unter friedrich dem älteren, folgte eine erweiterung um ein parterre. der ältere teil, das heutige rosarium, wird zum küchengarten. das wasserschloss ist durch die vorburg vom garten und der 1743 gebauten orangerie getrennt.
dieser zustand des garten ist auf dem gemälde ‚rückkehr von der jagd‘, 1755, überliefert.

glücksburg_advent_postkarte   4. advent in glücksburg: postkarte ‚rückkehr von der jagd’…

friedrichs sohn, friedrich heinrich wilhelm, war der letzte bewohner der „älteren linie“. seine frau anna carolina von nassau-saarbrücken-usingen nutzte das schloss später als witwensitz. unter ihr wurde der garten dem zeitgeschmack, nach englischem vorbild, angepasst. die barocke grundstruktur blieb jedoch erhalten. die reste der einst barocken lindenallee, lange falsch beschnitten, zwischen garten und schlossteich und die barocke wegführung sind bis heute erhalten.

glücksburg_lindenallee   blick durch die lindenalle in richtung schloss.

die orangeriepflanzen wurden abgeschafft. anstelle der barocken orangerie wurde ab 1827 von wilhelm friedrich meyer, königlich dänischer bauinspektor in schleswig, ein klassizistisches gartenhaus gebaut. meyer, ein schüler von christian frederik hansen, legte seinen entwurf hansen, seit 1805 landbaumeister des herzogtums schleswig, vor. hansen befand das gartenhaus für zu gross. der zweite entwurf wurde realisiert. obwohl nie für kübelpflanzen genutzt hat sich die bezeichnung ‚orangerie‘ für das gartenhaus bis heute erhalten.

glücksburg_blick_vom_gartenhaus_500  blick vom gartenhaus in richtung schloss. rechts die lindenallee und der schlossteich.

am westlichen ufer des schlossteiches liess anna carolina für sich einen privaten natur- bzw. waldgarten anlegen. die bezeichnung ‚carolinenlund‘ wird heute manchmal noch für dieses areal benutzt.

mit friedrich heinrich wilhelm starb die ältere line aus und das schloss fiel an die dänische krone zurück. frederik VI. übergab das schloss und den herzogstitel an friedrich wilhelm von schleswig-holstein-sonderburg-beck , einem nachfahren hans des jüngeren. mit seiner frau louise caroline, tochter des landgrafen karl von hessen-kassel (garten louisenlund) und louise von dänemarks , begründete er die jüngere linie schleswig-holstein-sonderburg-glücksburg.

[,..holk] hatte sich nach dem nächstgelegenen Treibhause begeben, in dessen Front er seinen Gärtner emsig bei der Arbeit sah. Und hier, nach kurzer Begrüßung, riß er zwei Blätter aus seinem Notizbuch und schrieb ein paar Telegrammzeilen […]. „Diese Telegramme, lieber Ohlsen, müssen nach Glücksburg oder meinetwegen auch nach Arnewiek; es gilt mir gleich, wo Sie’s aufgeben wollen. Nehmen Sie den Jagdwagen.“
Der Gärtner, ein Muffel, wie die meisten seines Zeichens, war augenscheinlich verdrießlich, weshalb Holk hinzusetzte: „Tut mir übrigens leid, Ohlsen, Sie bei der Arbeit stören zu müssen; […]“
Der Gärtner fand sich nun wieder zurecht und sagte, daß er, wenn’s dem Grafen recht wäre, lieber nach Glücksburg wolle; […]
„Mir recht“, sagte Holk. „Und wenn Sie mal da sind, […] fragen Sie auch, ob der König schon da ist, ich meine in Glücksburg, und wie lange er wohl bleibt.“

theodor fontane, ‚unwiederbringlich‘, 1887/90, in ‚deutsche rundschau‘, berlin, januar-juni 1891. der roman spielt auf dem fiktiven schloss holkenäs des grafen holk auf der halbinsel holnis.

das schloss diente der dänischen königsfamilie häufig als sommerresidenz. heute verbringt die dänische königin ihren sommer auf der anderen seite der flensburger förde im gråsten slotshave (nach gråsten, deutsch gravenstein, ist der gleichnamige apfel benannt). frederik VII. liess gegenüber dem schloss am schlossteich, seinen lieblingsplatz, eine eiche pflanzen. von der königs eiche hat man einen der besten blicke auf die anlage.

glücksburg_königs_eiche   glücksburg_blick_königs_eiche

da frederik VII. kinderlos war wurde der vierte sohn des glücksburger herzogs friedrich wilhelm zum dänischen thronfolger bestimmt: der spätere christian IX. von ihm stammt das dänische, das norwegische und das ehemalige griechische königshaus ab…

glücksburg_1877

das schloss wurde 1922 von der familie in die ’stiftung schloss glücksburg‘ eingebracht.

die wappenhaltenden löwen aus dem 18. jahrhundert vor dem schlossportal stammen vermutlich vom eingang des barocken gartens der als grünfläche irgendwie überlebt hat.

glücksburg_löwe_portal_links_500   glücksburg_löwe_portal_rechts_500

am schloss befinden sich noch weitere skulpturen aus dem garten: eine sandsteinfigur des kriegsgottes mars und zwei empire-vasen aus sandstein.

glücksburg_mars   glücksburg_vasen

die brücke zwischen vorburg und garten wurde 2013 mit hilfe von spendern neu gebaut.

glücksburg_brücke_gartenhaus   die barocke hauptachse: blick von der vorburg über die brücke in richtung gartenhaus.

auf den gelände der ehemaligen schlossgärtnerei wurde 1990/91 von dem rosenzüchter ingwer j. jensen und dem landschaftsarchitekten günther scholz ein rosarium angelegt. im jahre 2012 gab es gerüchte das teile des rosariums einem busparkplatz weichen sollen… in dem 1833 erbauten wohnhaus des gärtners befindet sich heute eine café. die ehemalige schlossgärtnerei gehört zum rosarium und dient als „shop“.

gegenüber der beiden gebäude, an der strasse am schlossgarten, liegt der alte glücksburger friedhof mit dem von vier linden eingerahmten grab der herzogin anna carolina.

glücksburg_alter_friedhof   blick vom grab auf das gärtnerhaus (l.) und die schlossgärtnerei (r.).

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ostsee_flensburger_förde_2013_500   die förde in hammershøi-grau am kürzesten tag des jahres.

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„als ich ging nach ottensen hin…“ / heinrich heine wohnt im gärtnerhaus im park von onkel salomon.

thierry frères und ch. walter nach joseph ramée ‚jardin heine à ottensen [sic] près altona‘ ca. 1839.

heine-park_eingang

eingang zum heine-park von der elbchaussee.

1812 erwarb der kaufmann und bankier salomon heine ein rund 14.000 m² grosses grundstück oberhalb der elbe in ottensen an der flottbeker (heute elb-) chaussee. heine beauftragte joseph ramée mit der planung und dem bau einer villa und der gestaltung des parks.

2007 wurde das „ensemble heine-park“ in die denkmalliste der stadt hamburg aufgenommen. die sanierte villa dient heute als clubhaus des ‚business club hamburg‘.

herbstlich-morgendlicher spaziergang durch einen vernachlässigten park mit luxus sarnierter business-event-location, sehr hanseatisch…

heine-park_hafenblick   heine-park_tiefgarage

l.: terrasse des ‚business clubs hamburg‘ mit sponsoren-sonnenschirmen und blick über die elbe auf die containerbrücken des terminals burchardkai; r.: ‚garden folly‘ à la hanseatisches business: oberlicht und/oder entlüftung für die tiefgarage unter dem park.

heine-park_auffahrt   heine-park_lauschige_ecke

l.: alter baumbestand und das beleuchtungs-design der auffahrt zur villa; l.: die „lauschigste ecke“ im heine-park. die bäume hinter der mauer gehören zum angrenzenden donners park der ebenfalls von ramée gestaltet wurde.

1816 kam salomon heines neffe heinrich nach hamburg um hier eine kaufmännische ausbildung zu machen. dichten vs. buchhaltung. zeitweise lebte heinrich heine im gärtnerhaus im heine-park.

Hochgeehret fühlt sich die Sonne,

Die purpurgeborene,

Sie schmückt sich hastig,

Und hastig eilt sie über das Wasser,

Eilt in die Mündung der Elbe,

Stromaufwärts, Blankenes entlang,

Und sputet sich eifrig, und kommt noch zeitig

Nach Onkels Villa zu Ottensen,

Und findet noch, frühstückversammelt,

Alldort die schöne Tante

Und den Oheim, den fürstlichen Mann, […]

heinrich heine ‚reisebilder. erster theil‘. hamburg 1826. widmung an seine tante betty heine.

ramme_heine_park_gartenhaus

heine_gartenhaus_500   heine-park_gärtnerhaus

o.: das gärtnerhaus im plan von ramée; u.l. das haus von der elbchaussee aus gesehen, 1920er; das gärtnerhaus vom park aus, herbst 2013.

Als ich ging nach Ottensen hin

Auf Klopstocks Grab gewesen ich bin.

Viel schmucke und stattliche Menschen dort standen,

Und den Leichenstein mit Blumen umwanden,

Die lächelten sich einander an

Und glaubten Wunders was sie getan. –

Ich aber stand beim heiligen Ort,

Und stand so still und sprach kein Wort,

Meine Seele war da unten tief

Wo der heilige deutsche Sänger schlief.

heinrich heine in einem brief an seinen jugendfreund christian carl theodor ludwig sethe, 6. juli 1816.

Die Ufergegenden der Elbe sind wunderlieblich. Besonders hinter Altona, bei Rainville. Unfern liegt Klopstock begraben. Ich kenne keine Gegend, wo ein toter Dichter so gut begraben liegen kann wie dort. Als lebendiger Dichter dort zu leben ist schon weit schwerer. Wie oft hab ich dein Grab besucht, Sänger des Messias, der du so rührend wahr die Leiden Jesu besungen! Du hast aber auch lang genug auf der Königstraße hinter dem Jungfernsteg gewohnt, um zu wissen, wie Propheten gekreuzigt werden.

heinrich heine ‚aus den memoiren des herren von schnabelewopski, 1833

die nachbarschaft:

charles_fuchs_karte_um1850_500

Klopstocks_Grab_1805_Bendixen_Döbler_200   Rainville_Geißler_Radl_1828_265

o.: charles fuchs ‚karte des rechten elbufers von altona bis blankenese‘, um 1850, detail; l.: das grab von friedrich gottlieb klopstock auf den friedhof an der christianskirche in ottensen, kupferstich von bendixen döbler, 1805; r.: das garten-restaurant ‚rainvilles garten‘ oder terrassen – gebaut als landhaus abbéma von christian frederik hansen – , kupferstich von christian gottfried heinrich geißler, 1828.