preussisch blau im „eigenen garten“? : centaurea cyanus

es flatterte eine samenmischung, ‚essbare blüten‘, ins haus… calendula officinalis / ringelblume, cosmos bipinnatus / schmuckkörbchen & … nun ja… centaurea cyanus / kornblume … gegen mehr blau im „eigenen garten“ ist eigentlich nichts zu sagen … jedoch: eine preussische blume in der nähe der ‚königin von dänemark‘ (→ rosa alba ‘königin von dänemark’ / eine rose zum 350. geburtstag von altona,…)

preussischblau_500

feldeinfassung

Der Boden ist grüner geworden, offner das Feld. Unendlich steht, mit der freudigen Kornblume gemischt, der goldene Weizen da, […].

friedrich hölderlin, ‚hyperion oder der eremit in griechenland‘, tübingen, 1797/99.

an den feldrändern ist sie seit der jungsteinzeit als kulturfolger anzutreffen. bedingt durch die extensive landwirtschaft (pflanzengifte und düngung) wird die centaurea cyanus / kornblume immer seltener.

preussisch blau

Ich frage Sie, können Sie sich einen Handelsgärtner denken, der, sagen wir auf der Lichtenberger oder Rummelsburger Gemarkung, Kornblumen im Großen zieht, Kornblumen, dies Symbol königlich preußischer Gesinnung, und der zugleich Petroleur und Dynamitarde ist? Sie schütteln den Kopf und bestätigen dadurch mein »nein«. Und nun frage ich Sie weiter, was sind alle Kornblumen der Welt gegen eine Berliner Blaufabrik? Im Berliner Blau haben Sie das symbolisch Preußische so zu sagen in höchster Potenz, und je sicherer und unanfechtbarer das ist, desto unerläßlicher ist auch mein Verbleiben auf dem Boden des Conservatismus.

theodor fontane ‚frau jenny treibel oder „wo sich herz zum herzen find’t.“‘, berlin, 1893. Weiterlesen

ein altonaer garten mit elbblick…

nach der parade historischer schiffe zum 350. geburtstag von altona noch in die ausstellung im altonaer museum:

Balthasar Friedrich Leizel_altona_ 1770

ein guckkastenblatt von balthasar friedrich leizel, ‚aussicht aus altona auf die elbe, und deren gegenden biss haarburg. vue d’altona sur l’elbe et les environs jusqu’a haarbourg‘, (academie imperiale, augsburg um 1770). beschnittene bäume in einem altonaer garten. ungefähr auf höhe der ersten strasse, die die palmaille und die elbe verband, angelegt von hinrich I van der smissen (mennonitischer glaubensflüchtling der 2. generation aus den niederlanden, wird als begründer der altonaer gartentradition angesehen).

solche beschnittene tilia / linden würden sich gut im „eigenen garten“, am hang des eschberges (man lernt nie aus!) in ottensen, machen. leider ohne elbblick: die nebelhörner von kreuzfahrenden schweröl-verbrennern sind allerdings zu hören …

& noch eine dronning:

pecoraro-schneider_königin_von_dk

eine → rosa alba ‘königin von dänemark’ / eine rose zum 350. geburtstag von altona, … diese blüht am main in unterfranken: danke sabine! → garten – träume und räume.

„als ich ging nach ottensen hin…“ / heinrich heine wohnt im gärtnerhaus im park von onkel salomon.

thierry frères und ch. walter nach joseph ramée ‚jardin heine à ottensen [sic] près altona‘ ca. 1839.

heine-park_eingang

eingang zum heine-park von der elbchaussee.

1812 erwarb der kaufmann und bankier salomon heine ein rund 14.000 m² grosses grundstück oberhalb der elbe in ottensen an der flottbeker (heute elb-) chaussee. heine beauftragte joseph ramée mit der planung und dem bau einer villa und der gestaltung des parks.

2007 wurde das „ensemble heine-park“ in die denkmalliste der stadt hamburg aufgenommen. die sanierte villa dient heute als clubhaus des ‚business club hamburg‘.

herbstlich-morgendlicher spaziergang durch einen vernachlässigten park mit luxus sarnierter business-event-location, sehr hanseatisch…

heine-park_hafenblick   heine-park_tiefgarage

l.: terrasse des ‚business clubs hamburg‘ mit sponsoren-sonnenschirmen und blick über die elbe auf die containerbrücken des terminals burchardkai; r.: ‚garden folly‘ à la hanseatisches business: oberlicht und/oder entlüftung für die tiefgarage unter dem park.

heine-park_auffahrt   heine-park_lauschige_ecke

l.: alter baumbestand und das beleuchtungs-design der auffahrt zur villa; l.: die „lauschigste ecke“ im heine-park. die bäume hinter der mauer gehören zum angrenzenden donners park der ebenfalls von ramée gestaltet wurde.

1816 kam salomon heines neffe heinrich nach hamburg um hier eine kaufmännische ausbildung zu machen. dichten vs. buchhaltung. zeitweise lebte heinrich heine im gärtnerhaus im heine-park.

Hochgeehret fühlt sich die Sonne,

Die purpurgeborene,

Sie schmückt sich hastig,

Und hastig eilt sie über das Wasser,

Eilt in die Mündung der Elbe,

Stromaufwärts, Blankenes entlang,

Und sputet sich eifrig, und kommt noch zeitig

Nach Onkels Villa zu Ottensen,

Und findet noch, frühstückversammelt,

Alldort die schöne Tante

Und den Oheim, den fürstlichen Mann, […]

heinrich heine ‚reisebilder. erster theil‘. hamburg 1826. widmung an seine tante betty heine.

ramme_heine_park_gartenhaus

heine_gartenhaus_500   heine-park_gärtnerhaus

o.: das gärtnerhaus im plan von ramée; u.l. das haus von der elbchaussee aus gesehen, 1920er; das gärtnerhaus vom park aus, herbst 2013.

Als ich ging nach Ottensen hin

Auf Klopstocks Grab gewesen ich bin.

Viel schmucke und stattliche Menschen dort standen,

Und den Leichenstein mit Blumen umwanden,

Die lächelten sich einander an

Und glaubten Wunders was sie getan. –

Ich aber stand beim heiligen Ort,

Und stand so still und sprach kein Wort,

Meine Seele war da unten tief

Wo der heilige deutsche Sänger schlief.

heinrich heine in einem brief an seinen jugendfreund christian carl theodor ludwig sethe, 6. juli 1816.

Die Ufergegenden der Elbe sind wunderlieblich. Besonders hinter Altona, bei Rainville. Unfern liegt Klopstock begraben. Ich kenne keine Gegend, wo ein toter Dichter so gut begraben liegen kann wie dort. Als lebendiger Dichter dort zu leben ist schon weit schwerer. Wie oft hab ich dein Grab besucht, Sänger des Messias, der du so rührend wahr die Leiden Jesu besungen! Du hast aber auch lang genug auf der Königstraße hinter dem Jungfernsteg gewohnt, um zu wissen, wie Propheten gekreuzigt werden.

heinrich heine ‚aus den memoiren des herren von schnabelewopski, 1833

die nachbarschaft:

charles_fuchs_karte_um1850_500

Klopstocks_Grab_1805_Bendixen_Döbler_200   Rainville_Geißler_Radl_1828_265

o.: charles fuchs ‚karte des rechten elbufers von altona bis blankenese‘, um 1850, detail; l.: das grab von friedrich gottlieb klopstock auf den friedhof an der christianskirche in ottensen, kupferstich von bendixen döbler, 1805; r.: das garten-restaurant ‚rainvilles garten‘ oder terrassen – gebaut als landhaus abbéma von christian frederik hansen – , kupferstich von christian gottfried heinrich geißler, 1828.