reberziehung als minimaliste skulptur: der kammertbau

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kammertbau in landau, detail, ‚wahre contrafehtung der reichstatt landaw, wie sie zu unsern zeiten in der mawren steht‘, gezeichnet von ws, geschnitten von jakob clauser, aus sebastian münster, ‚cosmographia‘, basel 1547 ff. (erstausgabe, 1544)

Kammert f.: ‚Weinspalier‘, Kammert (kaməʳd) […]; K. Mache ‚Biegen und Anbinden der Rebstöcke mit Kammertband mittels Kammerthaken an das Spaliergerüst‘, früher bestehend aus den dickeren Länderichbalken und den damit parallel verlaufenden Trudelstangen (vgl. Pfwb Trudel 2), heute größtenteils aus Länderichdraht und Trudeldraht. Mancherorts ist in der Bezeichnung K. Mache auch der Bau des Spaliergerüstes mit inbegriffen (s. PfWB kammerten 1 u,. 2) […]; vgl. PfWB länderichen, PfWB trudeln 1. – Aus lat. (vinea) camerata ‚Weinspalier, -laube‘, zu Camerare ‚wölben‘, […]

‚pfälzisches wörterbuch‘, begründet von ernst christmann, stuttgart, 1965–1998.

kammertbau auf dem vulkan

Fenster haben die Häuser der alten Griechen und Römer fast nie gehabt; Licht und Luft kamen aus dem Lichthof im Innern, einer Öffnung im Dach, der auf dem Erdboden ein Bassin entsprach, in das der Regen fiel. Die fensterlosen Mauern, die schon immer etwas Strenges hatten, machen jetzt, da alle Farbe von ihnen verschwunden ist, die Straßen doppelt ernst. Der Vesuv aber mit seinen Wäldern am Fuß und den Weinbergen in der Höhe sieht nirgends schöner und lieblicher aus, als wenn er hier über den starren Mauern oder in der Öffnung eines der drei oder vier Tore von Pompeji, die heute noch stehen, erscheint.

walter benjamin ‚untergang von herculanum und pompeji‘ / rundfunkarbeiten, radiosendung vom 18/09/1931

eine der ältesten darstellungen einer kammert-ähnlichen anlage findet sich auf einem bild des bacchus, des gottes des weines. das fresko ‚bacco e il vesuvio‘ (68–79 n. Chr.), aus der casa del centenario in pompeji wurde 1879 ausgegraben und hängt heute im museo archeologico nazionale di napoli. das bild gehörte zum lararium, dem kultschrein der hausgötter bzw. der familie, des hauses.

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ill. aus salomon reinach, ‚répertoire de peintures grecques et romaines‘, paris, 1922.

Hic est pampineis viridis modo Vesbius umbris,
presserat hic madidos nobilis uva lacus:
haec iuga, quam Nysae colles plus Bacchus amavit,
hoc nuper Satyri monte dedere choros.

martial, ‚epigrammaton‘ (IV.44, ca. 85–103 n. Chr.)

bacchus steht neben einem berg, der zumeist für die älteste darstellung des vesuv (vor dem ausbruch im jahre 79 n. Chr.) gehalten wird. am fusse des berges sind „kammern“ für den weinbau zu erkennen, iugatio compluviata. iugatio deut. anbinden der reben an querbalken; compluviata von compluvium – com- ‚zusammen- und pluvia regen – deut. die architektonische bezeichnung für die viereckigen dachöffnungen über dem säulenhof eines römischen hauses. ähnliche antike methoden der reberziehung, heute teilweise noch zur dekoration und als sonnenschutz verwendet, sind pergulae (vorbau oder pergola) und trichilae (laube). die schriftlichen zeugnisse über den römischen weinbau finden sich bei marcus terentius varro in ‚rerum rusticarum‘ ( I, 8,2, 37 v. chr.) und in der ’naturalis historia‘ (XVII 164 ff.) von plinius dem älteren (der beim ausbruch des vesuvs starb).

vom vesuv an die haardt

der wein kam mit den römern über die alpen und an die hänge des pfälzerwaldes. in der rheinpfalz und im elsass war der kammertbau in unterschiedlichen versionen, es wird zwischen offenem (pfähle in einer reihe werden mit balken verbunden) und geschlossenem kammertbau (pfähle werden durch querbalken verbunden) unterschieden, in den weinbergen bis anfang des 20. jh. verbreitet.

Die Edenkober Kammer-Erziehungsart.

[…]: die Stöcke haben nur einen Schenkel mit zwei Bogreben und Zapfen, die Reihen stehen vier Fuß von einander, die Querlatten sind fünf Fuß von einander, und der Länge nach laufen drei Latten, woran die Bogreben geheftet werden, so daß der Raum zwischen den Länge-Druthern [latten] fast ganz frei bleibt, und die Sonne den Boden bescheinen kann. Um zu bewirken, daß die Sonne recht kräftig eindringen kann, so werden gegen den Herbst alle Lotten, welche den Raum bedecken, längs der Druther abgeschnitten, wodurch längs der Kammern eine offene Lücke entsteht.

Diese Erziehungsart findet man am obern Haardtgebirg, bei Edenkoben, Rhodt, Edesheim und anderen Orten. Man erzieht daran den Sandtraminer, den rothen Traminer, den Gutedel, Alben, grünen Sylvaner und andere Varietäten. Man findet diese Erziehungsart gegen das untere Haardtgebirg, allmählig modificiert, und endlich in die einfachen niedern Rahmen übergehend. So z.B. unter Maikammer fehlen schon die zwei langen Seitenlatten und weiter abwärts auch die Querlatten.

johann metzger, ‚der rheinische weinbau in theoretischer und praktischer beziehung‘, heidelberg,1827.

heute fahren vollernter duch spalierreihen. zur zeit des kammertbaues stieg man in den weinbergen beim beschneiden und ernten der reben von kammer zu kammer. eine mühsame und zeitraubende methode mit hohem verbrauch an holz (eiche oder → keschde)…

ab 1863 bemühte sich karl heinrich schattenmann – minendirektor in buchsweiler (bouxwiller im elsass, département bas-rhin) und generalrat im französischen landwirtschaftsministerium – bei seinem 1812 erworbenen weinschlössel in rhodt unter rietburg um die einführung neuer anbaumethoden und überliefert die methode für die nachwelt:

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Größtentheils wird die Rebe an Pfähle oder Rebstecken befestigt, im Bezirk Weißenburg und in der obern Rheinfalz jedoch ruht die Rebe auf einer Laube, die Kammer genannt wird. Diese Kammer ist, wie folgt, gebaut: ein aufrechtstehender hölzerner Pfahl, Stiefel, genannt, der an einem Ende zugespitzt und 1 m,30 lang, 0 m,10 breit, 0 m,05 dick ist, wird 0 m,50 tief, so daß er 0 m,80 aus der Erde hervorragt, in den Boden geschlagen. Von je 0 m,84 zu 0 m,84 Entfernung wird ein solcher Stiefel eingeschlagen und zwar in derselben Linie in welcher die Rebstöcke gepflanzt werden. Eine Stange, in viereckig gespaltenem Holze, Balken genannt, von 4 Meter Länge, 0 m,04 Dicke, verbindet die Stiefel und ruht auf einem Einschnitt in denselben. Drei auf diese Weise gebildete Linien werden vermittelst einer ähnlichen Stange quer auf eine Entfernung von 1 m,12 verbunden. Zwei dünnere ebenfalls viereckig gespaltene Stangen, welche man Drutteln nennt und die 0m,02 dick sind, werden zu beiden Seiten der Hauptstange auf 0 m,28 Entfernung befestigt und bilden so eine 0m,60 breite Laube, auf welcher die Rebe ruht; letztere hat einen 0 m,80 hohen Stamm, von dem die Tragreben ausgehn. Die Entfernung zwischen den Zeilen der Rebstöcke beträgt 1 m,40.

[…]

Der Kammerbau, den ich seit meiner Kindheit betrieben und beobachtet habe, scheint mir in vieler Hinsicht mangelhaft und die Ursache zu sein, warum, in den Gegenden wo er besteht, die Produkte, sowohl hinsichtlich der Quantität als der Qualität, nicht befriedigend sind. In der That hat die Rebe Sonne und Luft nöthig; ihr Wachsthum ist kräftiger wenn der Stock nahe am Boden ist, wo die Stöcke durchschnittlich 0 m,80 hoch sind und wo die auf der Kammer ausgebreiteten Tragreben den größten Theil des Bodens beschatten und den Zutritt der Sonne, des Lichts und der Luft verhindern; ein großer Theil der Trauben welche unter der Kammer hängen, sind gänzlich der Sonne und des Thaues beraubt. […]

Dieser doppelte Bau ist ungenügend, so daß in der späten Jahreszeit die Weinberge immer mit Unkraut bewachsen sind.

Der Schnitt der Reben ist gleichfalls fehlerhaft; der Frühjahrsschnitt besteht darin, jedem Rebstocke zwei oder drei Tragruthen, welche gebogen werden und Bogenreben heißen, und zwei oder drei Zapfen oder Knebel auf drei Augen beschnitten, zu lassen.

karl heinrich schattenmann, ‚denkschrift über den weinbau in den departementen des ober- und niederrheins und in rheinbayern‘, straßburg, 1863.

die neuen methoden waren erfolgreich. sie waren nicht so arbeitsintensiv (bis zum heutigen vollernter), die reben bekamen mehr licht, etc. die landschaft an der südlichen weinstrasse veränderte sich…

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kammertbau unterhalb von  ’schloss ludwigshöhe. edenkoben. pfalz‘, stahlstich von johann poppel nach ludwig rohbock, um 1850.

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spaliererziehung am weinschlössel von charles henri hancké, aus schattenmann, ‚denkschrift‘, 1863.

2012 wurde zu ehren von schattenmann gegenüber „seines“ weinschlössls eine kammertbau erichtet. in edenkoben befindet sich ein musterwingert im kammertbau am ‚edenkobener weinlehrpfad‘.

virtuelles lapidarium: kammertbau als ‚primary structure‘?

formalistisch gesehen erinnert das gerüst für den kammertbau an eine skulptur der minmal art:

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ill. aus johann philipp bronner ‚der weinbau am haardtgebirge von landau bis worms‘, ‚der weinbau in süd-deutschland‘, bd. 1, heidelberg, 1833.

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‚peace of münster‘ von carl andre, 1984, im lichthof des westf. landesmuseum für kunst und kulturgeschichte (heute: lwl-museum für kunst und kultur), münster; katalog ’skulptur projekte münster 1987’…

reihung, wiederholung und (vor)industrielle fertigung. eine ‚primary structure‘ für den „eigenen garten“?

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weihnachts-, christ- oder tannenbaum / abies nordmanniana & der weihnachtsbaum als kulturexport

Ich weiß nicht, ob ihr ein anderes Spiel habt, das jetzt noch in ganz Deutschland üblich ist; man nennt es Christkindel. Da richtet man Tische wie Altäre her und stattet sie für jedes Kind mit allerlei Dingen aus, wie neue Kleider, Silberzeug, Puppen, Zuckerwerk und alles Mögliche. Auf diese Tische stellt man Buchsbäume und befestigt an jedem Zweig ein Kerzchen; das sieht allerliebst aus und ich möchte es heutzutage noch gern sehen. Ich erinnere mich, wie man mir zu Hannover das Christkindel zum letzten Mal kommen ließ.

liselotte von der pfalz in einem brief an ihre tochter, 11. dezember 1708. liselotte von der pfalz, die spätere duchesse d’orléans, lebte als kind vier jahre in hannover bei ihrer tante sophie von der pfalz, kurfürstin von hannover & mutter von george I. von grossbritannien…

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WEIHNACHTSBAUM, m. zuerst in Straszburg um 1642: disz (Christus) ist, meine liebsten, der weynacht baum Dannhawer cat.-milch 5, 649, in geschlossener belegreihe erst seit ende des 18. jahrh., damals auch zuerst mit -s-: an zwei enden eines langen tisches brannten zwei kleine weihnachtsbäume Caroline an Humboldt, briefe 5, 163 (Berlin 1815), […]das seitdem nur vereinzelt einmal fehlt: ein weinachtbaum zwar brannte nicht auf dem tisch Storm 3, 7. der plur. tritt zurück: mir sind die leeren weihnachtsbäume zu theil geworden B. v. Arnim Günderode 2 (1840) 243; desgl. Heine 1, 426 Elster; G. Freytag 4, 314. in der umgangssprache ist das wort wesentlich auf Norddeutschland beschränkt, die grenze gegen christ- und tannenbaum (th. 11, 111) zieht Kretschmer wortgeogr. 556 f. in obd. mundart gilt vielfach maie(n) (th. 6, 1473), doch winachtsbaum Martin-Lienhart els. 2, 45, das als neue einführung überallhin gelangen kann: wīnach(t)sbōam Siebs helgol. 303, daneben jȫlbōm B. P. Möller Sylter wb. (1916) 132. […] die allg. sitte, bei festen das haus mit grün zu schmücken, wirkt im winter als analogiezauber: man verschafft sich einen grünen baum, um ein grünes jahr zu bekommen. das bleibende grün des w. verbürgt langes leben und gesundheit; der baum, der im winter seine kraft behält, kann auch dem menschen gehöhtes leben verleihen. der brauch knüpft sich, altrömischer sitte entsprechend, an neujahr und damit an weihnachten als jahresanfang: den nach Spanien eingewanderten Sueven verbietet bischof Martin v. Bracara († 580): non liceat iniquas observantias agere kalendarum, et otiis vacare gentilibus, neuqe lauro, aut viriditate arborum cingere domos Hoffmann-Krayer schweiz. arch. f. volksk. 7 (1903) 193. bischof Burchard v. Worms (1000—1025) erneut das verbot: patrologia lat. 140, 835 Migne, und bezeugt damit die gleiche neigung im deutschen norden. als segenszweig fürs neue jahr bezeugt Brant den schmuck für Straszburg 1494:
und wer nit ettwas nuwes hat
und umb das nuw jor syngen gat,
und gryen tann risz steckt jn syn husz,
der meynt, er leb das jor nit usz narrensch. 65, 39 Z.
im Elsasz bildet der w. sein zubehör aus: auff weihenachten richtet man dannenbäume zu Straszburg in den stuben auff, daran hencket man rosen ausz vielfarbigem papier geschnitten, äpfel, oblaten, zischgolt, zucker etc. jb. f. gesch. Elsasz-Lothringens 5, 68 (Straszburg 1605); […] für Wien ist Grillparzer 1866 zeuge: es hatten mir zwar meine hausfräulein einen armseligen weihnachtsbaum in einem gartengeschirr mit etwas zuckerwerk behangen bereits gespendet … da wird ein riesenbaum gebracht, behangen mit allen gütern der welt jb. d. Grillparzerges. […]

‚deutsches wörterbuch‘ von jacob und wilhelm grimm, leipzig, 1854-1961, bd. 28.

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Ude i Skoven stod der saadant et nydeligt Grantræ; det havde en god Plads, Sol kunde det faae, Luft var der nok af, og rundtom voxte mange større Kammerater, baade Gran og Fyr; […]

hans christian andersen, ‚grantræet‘ in ’nye eventyr. første bind. anden samling‘, københavn, 1845.

früher ging man mit der axt in den wald und schlug einen baum. heute kommen die bäume aus monokulturen. ”baade gran og fyr”, die auswahl zwischen tannen und fichten hat sich meist erledigt. der ”alte” weihnachtsbaum war zumeist eine fichte, heute sind die bäume hauptsächlich (nordmann)tannen.

jeder dritte weihnachtsbaum in deutschland stammt aus dem sauerland. ca. 5 mio. bäume werden aus dänemark importiert. die nordmanntanne ist heute in deutschland der populärste weihnachtsbaum: von den 29 mio. bäumen in deutschen wohnzimmern sind mittlerweile rund drei viertel nordmanntannen.

die nordmanntanne ist ursprünglich ein importbaum: sie wurde 1836 im kaukasus, im heutigen georgien, von dem finnischen botaniker alexander davidovich von nordmann, konservator am botanischen garten in odessa, entdeckt.

im jahr 1838, unter dem namen pinus nordmanniana, veröffentlichte christian von steven, ein russischer botaniker schwedischer herkunft, im ‚bulletin de la société imperiale des naturalistes de moscou‘ die erste beschreibung.

pinus_nordmanniana_1838_500   ill. aus ‚bulletin de la société imperiale des naturalistes de moscou‘

édouard spach stellt den baum, unter dem heute gültigen namen abies nordmanniana, 1842 unter die gattung abies:

SAPIN DE NORDMANN. – Abies Nordmanniana Steven, in Ann. Des Sc. Nat. 2e sér. Vol. XI, p. 56. – Feuilles subunilatérales légèrement échancrées. Strobiles ovoïdes; écailles cunéiformes-orbiculaires; bractées spatulées-obcordiformes, à sommet saillant, réfléchi, acuminé-cuspidé. – Abre de 80 pieds et plus, sur 3 pieds de diamètre. Écorce lisse, grisâtre. Branches grêles, la plupart horizontales, les supérieures plus ou moins érigées. Ramules couverts d’une pubescence rousse. Feuilles longues d’environ I pouce, sur ¾ de ligne de large, d’un vert gai en dessus, d’un glauque blanchâtre en dessous. Strobiles longs d’environ 5 pouces, sur 2 ½ pouces de large, sessiles, ou subsessiles, solitaires, ou géminés, ou ternés, résineux; écailles longues d’environ I 5 lignes, sur autant de large vers le somment, érosées-dentées aux bords latéraux, trés-entières au sommet. Nucules ovoïdes, longues de 1 ½ ligne; ailes obliquement cunéiformes, rectilignes d’un côté. (steven, l.c.) – Cette espèce croît dans la région subalpines de caucase.

‚histoire naturelle des végétaux. phanerogames‘, 11, 1842

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die ersten weihnachsbäume sieht man schon am zweiten weihnachtstag auf der strasse liegen. traditionell endet die weihnachtszeit jedoch am 2. februar mit mariä lichtmess.

wie viele nadeln hat so eine nordmanntanne? bei solchen fragen ist immer auf die kollegin des blauen elefanten verlass: in der sendung ‚frag doch mal die maus‚ (wdr, erstaustrahluing 25/11/20006) wurde nachgezählt: eine nordmanntanne von 1,63 höhe hatte 187.333 nadeln. viel spass beim saugen nach dem abdekorieren …

Es war einmal ein Tännelein
mit braunen Kuchenherzlein
und Glitzergold und Äpflein fein
und vielen bunten Kerzlein:
Das war am Weihnachtsfest so grün
als fing es eben an zu blühn.

Doch nach nicht gar zu langer Zeit,
da stands im Garten unten,
und seine ganze Herrlichkeit
war, ach, dahingeschwunden.
die grünen Nadeln warn’n verdorrt,
die Herzlein und die Kerzlein fort.

Bis eines Tags der Gärtner kam,
den fror zu Haus im Dunkeln,
und es in seinen Ofen nahm –
Hei!  Tats da sprühn und funkeln!
Und flammte jubelnd himmelwärts
in hundert Flämmlein an Gottes Herz.

christian morgenstern, ‚das weihnachtsbäumlein‘ aus ‚klein irmchen‘, berlin, 1921.

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ein anhang zum thema der weihnachtsbaum als kulturexport:

der erste beleg eines weihnachsbaumes in grossbritannien stammt von 1819. queen charlotte, geborene sophie charlotte von mecklenburg-strelitz, frau könig george III. aus dem haus hannover, hatte eine eibe als weihnachtsbaum in der queen’s lodge in windsor aufstellen lassen:

Sixty poor families had a substanial dinner given them; and in the evening the children of the principal families in the neighbourhood were inited to an entertainment at the lodge. Here, among other amusing objects for the gratification of the juvenile visitors, in the middle of the room stood an immense tub with a yew-tree placed in it, from the branches of which hung bunches of sweetmeats, almonds, and raisins in papers, fruits and toys, most tastefully arranged, and the whole illuminated by small wax candles. After the company had walked around and admired the tree, each child obtained a portion of the sweets which it bore, together with a toy, and then all returned home, quite delighted.

james watkins, ‚memoirs of her most excellent majesty sophia-charlotte: queen of great britain, from authentic documents‘ london, 1819

die tradition wurde bewahrt. charlottes zwölfjährige enkelin berichtet in ihrem tagebuch:

Monday, 24th December [1832] […] After dinner […] We then went into the drawing-room near the dining-room. After Mamma had rung the a bell three times we went in. There were two large round tables on which were placed two trees hung with lights and sugar ornaments. All the presents being placed round the tree […]

‚the girlhood of queen victoria: a selection from her majesty’s diaries between the years 1832 and 1840‘, ed. by viscount esher [reginald brett], london, 1912

die mutter, victoire von sachsen-coburg-saalfeld, kannte die tradition ebenfalls aus ihrer heimat. victorias deutscher mann, albert von sachsen-coburg und gotha, notierte 1847:

I must now seek in the children an echo of what Ernest and I were in the old time, of what we felt and thought; and their delight in the Christmas-trees is not less than ours used to be.

prince albert zitiert in godfrey and margaret scheele, the prince consort, man of many facets: the world and the age of prince albert.‘ london, 1977. ernst ist sein bruder ernst II., herzog sachsen-coburg und gotha.

der allgemeine durchbruch des weihnachtsbaumes in grossbritannien kam mit der veröffentlichung einer illustration die die königliche famile an weihnachten zeigt:

_the_illustrated_london_news_christmastree_ 1848_500   ill.: aus ‚the illustrated london news. special christmas supplement edition‘, 23. dezember 1848.

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