i shop therefore i am (gardening): der kleine schwarze & na zdrowie!

der pflanzenmarkt im freilichtmuseum am kiekeberg, organisiert von der gesellschaft zur förderung der gartenkultur e.v. – zweig hamburg, ist zweimal in jahr die möglichkeit für entdeckungen & seine dealer zu treffen… shopping in den harburger bergen:

kiekeberg_garten_black_lace_2

der erste gang auf dem kiekeberg direkt zu tuingoed foltz & da stand er: sambucus nigra ‚black lace‘ / schwarzer holunder. der stand schon etwas länger oben auf der muss-ich-haben-liste: ein schwarzer schleier als hintergrund für mehr farbe & die hollunder(blüten)ernte…

kiekeberg_garten_black_lace_1

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kiekeberg_dicksonia_antarctica_2   kiekeberg_dicksonia_antarctica_1

für die farn-sammlung zu wouter van dries & da stand er: ein weiterer kandidat auf der muss-ich-haben-liste. unter den top 3.  → dicksonia antarctica / baumfarn… in den zurückhaltungsmodus schalten: wohin? also erst mal einen kübel besorgen & den standort klären…

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kiekeberg_ginster_stacheln   kiekeberg_engl_ginster

ginster-mania bei der baumschule julia wilksen: ein ulex europaeus /europäischer stechginster für dekablog10 & ein genista anglica / englischer ginster for myself… l. der blühende stachelige auf dem kiekeberg & r. stellprobe für den englischen im „eigenen garten“.

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kiekeberg_kugeldistel   kiekeberg_rittersporn

dekablog10 bei der staudengärtnerei klingel & luckhardt: echinops bannaticus ’star frost‘  / kugeldistel & delphinium elatum-hybride ‚wintersonnenwende‘ / rittersporn.

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kiekeberg_mariengras   kiekeberg_römisch

kräuter von gottschling. das lieblingsgras der saison: hierochloe odorata /mariengras. eine weitere marienpflanze im garten. „das wäre doch was für…“ import/export:… mariengras wird auch bisongras genannt & das kommt zur aromatisierung in den guten polnischen wodka. das gras enthält cumarin, der wodka bekommt ein waldmeisteraroma. na zdrowie! & und ein beispiel für kommunikation beim shoppen: „der römische! fotografier [er meint knipsen!] mal das schild!“ bin gerade mit rasen beschäftigt (was selten vorkommt): chamaemelum nobilis var. ligulosa / römische rasenkamille. gekauft wird gerade anacyclus pyrethrum var. pyrethrum / römischer bertram…

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kiekeberg_osterlamm   kiekeberg_bunte_bentheimer

neben der flora gibt es fauna im freilichtmuseum: ein „süüüüüüssssseeees“ osterlamm am tag vor palmsonntag (mal ein feiertag mit botanik im namen) & „süüüüüüssssseeeee“ ferkel: bunte bentheimer schweine. schinkentiere beim mittagsschlaf…

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& ab durch hamburg:

tante_ersatz_brockenanemone   tante_pillnitz

schale für die tante bepflanzen. u.a. mit geranium maculatum ‚album‘ / gefleckter storchschnabel & geranium maculatum ‚espresso‘ / dunkler storchschnabel von der staudengärtnerei annemarie eskuche + eine pulsatilla vulgaris alba / weisse kuhschelle. eine pulsatilla alpina subsp. alba / brockenanemone für eine harzerin bekommt man ja nirgends → der brockengarten &… die tante hat jetzt einen ableger der pillnitzer kamelie / camellia japonica l. im garten. was soll ich sagen? NEID! die kommt auf die muss-ich-haben-liste. da ist wieder etwas platz…

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nicht-endemische botanik: schwyzer blüemli von einen schweizer beschrieben & im kurfürstentum braunschweig-lüneburg verlegt / ‚versuch schweizerischer gedichte‘ von albrecht von haller

Dort ragt das hohe Haupt vom edlen Enziane*
Weit übern niedern Chor der Pöbel=Kräuter hin:
Ein ganzes Blumen=Volk dient unter seine Fahne,
Sein blauer Bruder selbst, bückt sich, und ehret ihn.
Der Blumen helles Gold, in Strahlen umgebogen,
Thürmt sich am Stengel auf, und krönt sein grau Gewand;
Der Blätter glattes Weiß, mit tiefem Grund durchzogen,
Strahlt mit dem bunten Blitz von feuchtem Diamant.**
Gerechtestes Gefäß! Daß Kraft sich Zier vermähle,
In einem schönen Leib wohnt eine schöne Seele

*Gentiana floribus rotatis verticillatis Enum. Helv. [a.v.h., ‚enumeratio methodica stirpium helvetiae indigenarum‘, göttinger, 1742] p. 478 [gentiana lutea / gelber enzian] eines der grösten Alpen Kräuter, und dessen Heil=Kräfte überall bekannt sind, und der blaue foliis amplexicaulibus floris fauce barbata Enum. Helv. p. 473 [gentiana asclepiadea / schwalbenwurz-enzian] der viel kleiner und unansehnlicher ist.

**Weil sich auf den grossen und etwas hohlen Blättern, der Thau und Regen leicht sammelt, und wegen ihrer Glättigkeit sich in lauter Tropfen bildet.

albrecht von haller, ‚die alpen‘, 1729, in ‚versuch schweizerischer gedichte‘, göttingen, 1751 (sechste, regelmässige, vermehrte und veränderte auflage), erstausgabe 1732.

kräuterbuch_grosser_enzian_wurzel   wurzel des grossen enzians aus ‚kräuterbuch deß uralten unnd in aller welt berühmtesten griechischen scribenten pedacii dioscoridi anazarbaei […]‘, frankfurt, 1610… proscht nägeli!

juniperus communis / wacholder(schnaps, jenever, gin &c.)

[…]
Und weiter, weiter, Fuchs und Hund.
Der schwankende Wachholder flüstert,
Die Binse rauscht, die Haide knistert,
[…]

annette von droste-hülshoff, ‚haidebilder: die jagd‘ in ‚gedichte‘, stuttgart/tübingen, 1844.

regionale besonderheiten werden in der kindheit, teils unbewusst, abgespeichert und können die pflanzenauswahl für den garten & beim äten un drinken beeinflussen. das münsterland besitzt einige heideflächen und dort ist juniperus / wacholder zu finden: die klatenberge bei telgte oder, auf der anderen seite der ems, die wacholderbestände auf dem waldfriedhof lauheide, die westruper heide bei haltern am see, etc.

es muss nicht immer die lüneburger heide, 50iger heimatfilm-kitsch & hermann löns sein. eine andere beeindruckende wacholderlandschaft befindet sich in der eifel: der kalvarienberg bei alendorf, auf grund der germanischen italiensehnsucht als ‚eifel-toskana‘ bezeichnet. der kalvarienberg ist am besten über den eifelstieg zu erreichen. sollte es während der wanderung zu problemen mit füssen und gelenken kommen sei wacholdersalbe empfohlen…

doch zurück ins münsterland: clemens maria franz von bönninghausen ein cousin der dichterin annette von droste-hülshoff, homöopath und direktor des botanischen gartens in münster veröffentlichte die erste flora des münsterlandes:

JUNIPERUS. L. […]
J. communis. L. […]
In syvaticis ubique. – (Wachholder.) – Frutex, praecipe in apricis sabulosis mire ludens colore flavescente, purpurascente, atroviridi et glaucescente, atque ramorum varia directione, de qua indole polymorpha ccl. Linnæus ipse jamjam mentionem fecit in Flora sua Lapponica.
Obs. J. Sabinam L., quamvis in hortis rusticorum nimis frequens obvia sit, inter inquilinas non enumerandam putamus.

clemens maria franz von bönninghausen, ‚prodromus floræ monsteriensis westphalorum phanerogamia‘, münster, 1824

einige jahrzehnte später erschien die ‚flora von westfalen‘ des evang. theologen, mykologen und botanikers conrad beckhaus mit einer ausführlicheren beschreibung:

Juniperus (lat.), Wachholder (wach = lebendig, immer wieder ausschlagend), Machandelbaum, Ouakelstrauch.
J. communis, L.: Rinde der jungen Triebe grün, später rotbraun; B. hart, steif, fast stechend, sparrig zu 3., lineal-pfriemlich, zugespitzt, obers.flachrinnig, unterseits stumpf gestielt, meist 12 – 20 mm lang; Kätzchen klein. In den Bachseln; Trugbeere gespitzt-kugelig od. eif-kugelik, von der Grösse kleiner Erbsen, im 1. Jahr grün, im 2. schwarzblau, grau bereift, mit braunem, harzig-süsslichem Fleisch. 0,3 – 2 m u. höher, aber im Gebüsch, wo er baumartig wird, selten lange geschont: der männl. Baum schlanker, mit oft hangenden, kurzen Zweigen, der weibl. mit sparrig-bogigen Ästen, mehr ausgebreitet. 4 – 5, Fr. im Nov. des 2. Jahres. – Truppenweis, auch einzeln, in den Heiden der Ebenen, auf dürren Bergen, meist gemein, am schönsten auf Kalkbergen (um Astenberg nur spärlich bei Langewiese, auch im Ruhrgebiet schon ziemlich selten).
Var. subnána: Niedrig, mit sehr dichten Gezweig; B. sehr dicht, kürzer und breiter, schief aufrecht, stets kürzer als 10 mm (meist 5 – 6 mm) lang, lanz.-pfrieml., nur so lang wie d. Fr. dick. – Scheint von var. brevifolia, Sanio, nur durch die nicht abstehenden B., von nana, Willd., nur durch den aufrechten St. und die nicht eingekrümmten B. verschieden zu sein. – An den mit Wachholderbüschen bedeckten Südabhange des Weinberges bei Höxter vielfach, durch zahlreiche Übergänge mit der typischen Form verbunden.
Beeren (off. baccae Juniperi) zum Räuchern, auch bei rheumatischen Leiden, wirken innerlich stark auf Urin u. Ausdünstung, magenstärkend, zu Wachholder-Branntwein (Genévre), auch als Gewürz. – Holz sehr dauerhaft, oft schön maserig, zu Drechlerarbeiten. – Oleum Juniperi, Spiritus Jun., Succus Jubiperi inspissatus.
(J. Sabina, L., Sabina officinalis, Garcke, Sadebaum: Triebe sehr dünn; B. kl., herablaufend, gegenständig-4reihig, dichtdachziegelig; Fr. an gekrümmten Stiel hangend. 1 – 3 m hoch. – Oft auf Kirchhöfen angepfl. Im Königreich Preussen darf eigentlich in Gemässheit des Medicinal-Polizeigesetzes der Strauch nicht im Freien geduldet werden. Der Sadebaum wird zu den scharfen Giftgewächsen gezählt. Eine Abkochung der beblätterten Zweige wirkt mehr oder weniger stark auf die Absonderung der vegetativen Organe und kann zum tötlichen Gift werden. Off. Summitates Sabinae.)

konrad beckhaus, ‚flora von westfalen – die in der provinz westfalen wild wachsenden gefäss-pflanzen.‘ nach des verfassers tode hrsg. von l.a.w. haase, münster, 1893.

äten un drinken hölt lief un seele bineene: neben wacholderschinken ist sicherlich der wacholderschnaps das wichtigste wacholder-produkt an das man denkt. das älteste gedruckte rezept findet sich in dem buch ‚een constelijck distileerboec om alderhande wateren der cruyden, bloemen, ende wortelen te leeren distileren‘ von philippus hermanni, 1552 in antwerpen erschienen. von flandern und über die niederlander ist es nicht weit bis nach westfalen und ins münsterland. die engländer, die ihren gin so schätzen, haben das getränk ebenfalls den niederländern zu verdanken: 1668 wurde aus dem stadhouder willem III van oranje king william III of england. willem zog aus seinen barockgarten in het loo nach hampton court, liess sich einen privy garden anlegen & aus jenever wurde gin.

gin_lane_westf_sonne_500   da will man sich belohnen & dann ist der lieblings-wacholder alle… & william hogarth ‚gin lane‘, 1751: katalog der ausstellung in der tate gallery, london, 2007.