„Der Ausdruck Klima bezeichnet …“ / ‚kosmos‘ von alexander von humboldt

Der Ausdruck Klima bezeichnet in seinem allgemeinsten Sinne alle Veränderungen in der Atmosphäre, die unsre Organe merklich afficiren: die Temperatur, die Feuchtigkeit, die Verändrungen des barometrischen Druckes, den ruhigen Luftzustand oder die Wirkungen ungleichnamiger Winde, die Größe der electrischen Spannung, die Reinheit der Atmosphäre oder die Vermengung mit mehr oder minder schädlichen gasförmigen Exhalationen, endlich den Grad habitueller Durchsichtigkeit und Heiterkeit des Himmels: welcher nicht bloß wichtig ist für die vermehrte Wärmestrahlung des Bodens, die organische Entwicklung der Gewächse und die Reifung der Früchte, sondern auch für die Gefühle und ganze Seelenstimmung des Menschen.

alexander von humboldt, ‚kosmos – entwurf einer physischen weltbeschreibung‘, bd. 2, stuttgart/tübingen 1845

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marcel broodthaers. eine retrospektive: section botanique (les palmiers)

fig. 1 obere reihe, l.: das ständehaus, der ehemalige landtag des landes nrw, erbaut als provinziallandtag der preussischen rheinprovinz von julius raschdorff (1880) mit der glaskuppel von kiessler+partner (1995-2001) am kaiserteich in der parkanlage von maximilian weyhe; r.: ‚l’entrée de l’exposition‘: hoewa forsteriana, vorsicht kellertreppe … untere reihe, l.: ‚jardin d’hiver‘, phoenix roebelenii unterhalb der wasserlinie … & r.: adler in düsseldorf, auf der kö.

die retrospektive von marcel broodthaers, organisiert vom museum of modern art, new york, und dem museo nacional centro de arte reina sofia, madrid, ist auf ihrer letzten station dem k21 / kunstsammlung nrw angekommen, in düsseldorf, wo broodthaers von 1970 bis 1972 lebte und arbeitete.

der belgische künster hatte, bevor er 1964 entschied statt schriftsteller künstler zu sein, kontakt zur groupe surréaliste révolutionaire und rené magritte. er publizierte gedichte. 1964 verarbeitete er einen stapel flugblätter mit dem gedicht ‚pense bête‘ zu einer skulptur. im selben jahr entstand ‚la clef de l’horloge – un poème cinématographique en l’honneur de kurt schwitters‘, der erste film. von der poesie rimbauds und mallarmés zu magritte und schwitters. wort und bild, moules et frites, adler und palmen. Weiterlesen

auf eine zigarette bei loki: capensis in hamburg

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auf eine zigarette bei loki &c. pp: blue lily samen &c. aus dem kirstenbosch national botanical garden.

chelsea physic garden / ‚the apothecaries and their garden‘: lecture by rosie atkins, royal society

berlin: paare im „garten“ & „Ich gehe täglich etliche mal blos darum aus dem Garten in meine Stube,…“

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es wird angenommen das es sich bei dem abgebildeten paar um echnaton und gemahlin nofretete handelt oder meriaton und ihr gatte semenchkare. eine andere theorie hält das paar für tutanchamun und anches-en-amun. die königin hält eine nymphaea caerulea / blauer lotus in der hand: ein auf einer lotosblüte sitzendes kind symbolisierte die geburt des sonnengottes aton.

zum relief cf.: rolf krauss, ‚der berliner „spaziergang im garten“ – antiker murks oder moderne fälschung?‚, palarch’s journal of archaeology of egypt/egyptology, 6(1), 2009.

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das bild wurde erstmals 1879 auf dem salon de peinture et de sculpture in paris gezeigt:

M. Manet a eu, cette année, ses deux toiles reçues. L’une, intitulée D a n s  l a  s e r r e, représente une femme assise sur un banc ver, écoutant un monsieur penché sur le dossier. De tous côtés, des grandes plantes, et à gauche des fleurs rouges. La femme, un peu engoncée et rêvante, vêtue d’une robe qui semble faite à grands coups, au galop, – oui, allez-y voir ! – et qui est superbe d’exécution; l’homme, nu-tête, avec des coups de lumière se jouant sur le front, frisant çà et là, touchant aux mains enlevées en quelques traits et tenant un cigare. Ainsi posée, dans un abandon de causerie, cette figure est vraiment belle: elle flirte et vit. L’air circule, les figures se détachent merveilleusement de cette enveloppe verte qui les entoure. C’est là une œuvre moderne très attirante, une lutte entreprise et gagnée contre le poncif appris de la lumière solaire, jamais observée sur la nature.

joris-karl huysmans, ‚le salon de 1879‘ in ‚l’art moderne,‘ 1883

1896 erwarb der neue direktor der nationalgalerie hugo von tschudi – auf einem shopping trip mit max liebermann in paris – das bild:

Kurz nach seiner Ernennung zum Direktor reisten Tschudi und ich nach Paris: er wollte die dortige Kunst, vor allem aber die Pariser Künstler näher kennen lernen. In der Galerie Durand-Ruel erblickte er zum ersten Male Manets Werke in ihrer ganzen Originalität. Manets Genius offenbarte ihm eine neue Welt und wie eine plötzliche Erleuchtung kam ihm der Gedanke, daß die Kenntnis der neueren französischen Kunst absolut nötig sei, um die Entwicklung der zeitgenössischen deutschen Kunst zu verstehen. […] Seine bestrickende Liebenswürdigkeit läßt ihn Freunde und Gönner finden, die ihm die Mittel darbieten, um die Bilder anzukaufen, für die Staatsmittel nicht vorhanden sind. Als erstes kauft er La Serre von Manet, und ein Amateur kann keine größere Freude über ein neuerworbenes Stück haben, als Tschudi über dieses Bild. (Notabene würde es jetzt mit dem zehnfachen Preise bezahlt werden.) Wie den Geruch einer kostbaren Havanna oder den Geschmack einer leckeren Frucht sog er die Schönheiten eines Manet […] in sich ein. Allen Ärger, alle Ekelhaftigkeit ertrug der sonst so stolze Mann, wenn es galt, ein gutes Bild zu erwerben: der Rest war ihm Hekuba.

max liebermann, ‚hugo von tschudi „kunst und künstler“‘, 1912, in ‚gesammelte schriften‘, berlin, 1922.

der erste museumsankauf eines bildes von manet. was wilhelm II. – ein liebhaber akademischer historienschinken – zu einer verfügung veranlasste: schenkungen (das geld hatten stifter zur verfügung gestellt) an das museum musste nun von ihm persönlich genehmigt werden. die neuen bilder wanderten in den 3. stock der (heute alten) nationalgalerie, sozusagen auf den dachboden. ein paar im schwülen klima eines wintergartens, das war in preussen zu erotisch…

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memhardt_plan_1652_500   als berlin schon eine provinzstadt war & die heutige museumsinsel noch ein garten: johann gregor memhardt, ‚grundriss der beyden churf. residentz stätte berlin und cölln an der spree‘, 1652.

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in der alten nationalgalerie läuft z.z. die ausstellung ‚anton graff – gesichter einer epoche‘. im 3. stock – dem ehemaligen dachgeschoss für impressionisten – sind porträts von garten-besitzern (prinz heinrich von preussen und sein älterer bruder), eines gartenhaus-bewohners und von august friedrich von sivers, der den ersten englischen landschaftsgarten in estland anlegen liess, versammelt.

unter den porträts befindet sich ein bild der söhne von anton graff: ‚die söhne des künstlers beim seifenblasenspiel'(1778). das bild war ein geschenk an den grossvater, graffs schwiegervater, den schweizer theologen und philosophen johann georg sluzer – autor der ‚allgemeinen theorie der schönen künste‘ (1771 -1774). sulzer war professor der mathematik am joachimsthalschen gymnasium in berlin und mitglied der königlichen akademie der wissenschaft. 1763 kehrte er in die schweiz zurück. friedrich II. bewog ihn zu einem erneuten umzug nach berlin: als dank erhielt er vom preussischen könig ein garten-grundstück auf der heutigen museumsinsel:

Mein lieber Graff. Ihre beyden Knaben sind wohl behalten hier angekommen und haben mir größes Vergnügen gemacht. Ich finde sie nicht nur sehr ähnlich, sondern auch den Ausdruck in den Gesichtern der Handlung, die Sie zu der Vorstellung gewählt haben, sehr wohl angemessen. Schade ist’s doch, daß Sie [es folgt eine ausführliche bildkritik…] Allein dieses hindert nicht, daß das Stück dennoch fürtrefflich sey. Ich gehe täglich etliche mal blos darum aus dem Garten in meine Stube, um das Bild eine Weile anzusehen, und habe Ihnen also für das Vergnügen, das ich täglich daran genieße, viel Obligation.

johann georg sulzer, brief an anton graff. berlin 21. august 1778

meno_hass_ les_petite_physiciens_500   ein grund den garten zu verlassen: johann meno haas nach anton graff, ‚les petits physiciens‘ , 1789.

bln_schmettau_plan   berlin zur zeit friedrich II. – die heutige museumsinsel; der lustgarten als preussischer paradeplatz; links an der spree das joachimsthalsche gymnasium & der berliner garten des prinzen heinrich (heute die humboldt-universität): samuel graf von schmettau, ‚plan de la ville de berlin. capitale de l’electorat de brandenbourg et la residence ordinaire du roi de prusse. […]‘, 1748.

rosie atkins – a history of garden design in 20 minutes

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