gartenbücher (H2O oder „Zeige mir deinen Garten, und ich sage dir, ob du noch zu retten bist“)

theorie

reden wir über das wetter oder, besser gesagt, das klima und dessen wandel … von trockenheit ist gerade nicht viel zu spüren. flüsse treten über ihre viel zu engen ufer. es ist nasskalt. beim blick in den garten ziehen bilder von mediterranen gärten vor dem inneren auge vorbei. aus dem land wo die zitronen blühen oder lavendelfelder in südfrankreich … im hinterkopf der traum von einem englischen cottage garden.

„das wetter“ wird durch den klimawandel extremer. viel wasser im winter oder gar kein wasser im sommer – trockenheit. besonders in den wachstumsperioden der gartenpflanzen. im sommer wird es eng mit dem nachschub an wasser. der garten wird schon mal zur stolperfalle: der wasserschlauch ist dominates dekoelement auf dem mittlerweile gelben rasen.

rasen … im mitteleuropäischen garten nicht wegzudenken. englischer rasen bzw. in der landschaft, und im urlaub, der golfplatz. eine rasenfläche mit blick auf des meer, salzwasser und süsswasser aus rasensprengern … „rasen um jeden preis?“ fragt annette lepple in ihren buch „geniessen statt giessen“ und kommt zu dem schluss das es anders geht: weg damit (kleine grundstücke) oder ein kräuterrasen (für grosse flächen).

Rasenfetischisten bricht bei diesem Vorschlag der kalte Schweiß aus, denn der perfekte Rasen ist nicht selten Statussymbol und Lebensinhalt. Ihr Motto ist „Zeig mir deinen Rasen, und ich sage dir, wer du bist.“ Was mein chaotischer, ungestüm blühender Kräuterrasen wohl über mich preisgäbe? Eine anarchistische Gesinnung vielleicht? Mein Motto geht mehr in die Richtung „Zeige mir deinen Garten, und ich sage dir, ob du noch zu retten bist“.

wenn der rasen erst weg ist, ist mehr platz für garten! wie umgehen mit einem garten, mit gehölzen, stauden und gräsern in einem sich verändernden klima? die auswahl machts. nicht nur im eigenen garten, sondern auch im öffentlichen grün, wo wir uns von einigen strassenbäumen verabschieden müssen, weil sie dem klima, der fortschreitenden bodenverdichtung und dem verkehr nicht mehr gewachsen sind.

Pflanzen sind gezwungen, sich zu adaptieren, und über die Jahrtausende haben sie das bewundernswert getan. Die schönsten Gärten sind jene, die sich an die klimatischen, lokalen Bedingungen angepasst haben, oder besser: deren Gärtner sich angepasst haben. Anpassung ist das Zauberwort!

wichtig ist vor allem die anpassung des gärtners: wie bekommt man mediterrane urlaubsphantasien und die konditionierung durch gartenzeitschriften und -reisen auf eine englische border aus den köpfen bzw. in die realität? zitruspflanzen im kübel für das la-dolce-vita-feeling auf der terrasse? bei kübelpflanzen giesskanne griffbereit halten! lavendelmonokultur provençal mit rose? eine klassische kombination, die nicht funktioniert, weil beide pflanzen unterschiedliche ansprüche z.b. an den nährstoffgehalt des bodens haben.

wie immer sollte der gärtner erstmal einen blick über den gartenzaun wagen. nicht in die gärten der nachbarn, sondern auf die gegend, die landschaft, in der der garten angelegt wird. was hat bzw. was kann hier angesichts des sich verändernden klimas funktionieren. einfluss der jahreszeiten (trockenheit im sommer und im winter staunässe?), das mikroklima (hecken die vor austrocknenden winden schützen und schattenbereiche schaffen) und natürlich die auswahl und qualität der pflanzen.

praxis

bodenanalyse und das ergebnis mit beispielen aus dem eigenen und anderen gärten, pflanzpläne und eine auswahl an tockenheitsresistenten pflanzen im porträt. unter den „anderen gärten“ ist auch ein kiesgarten, aber liebhaber von schottergärten lesen leider vor dem gang in den baumarkt keine gartenbücher …

vielen ratgebern merkt man an, dass die autorin oder der autor sich mal kurz in ein thema eingearbeitet hat, und das war es dann meist auch. annette lepple ist praktikerin mit gartdendesign-studium in england und fotografin. nach einem garten im wallis, ein trockenheitsloch zwischen viertausendern (die niederschlagsärmste gegend in europa), jetzt mit garten am hang des massif central im süden frankreichs mit trockenen sommern und meist milden aber regenreichen wintern. viele bilder im buch stammen aus ihrem aktuellen garten, mas de béty, und zeigen mal wieder das es besser ist auf die richtige lichtsituation zu warten statt mit grossen equipment anzureisen, den falschen tag oder gar die falsche jahreszeit zu erwischen, und die dateien anschliessend durch den photoshop zu nudeln bis nur noch stimmungen, aber kein garten übrigbleibt.

die wasserrechnung hochtreiben oder sich einfach mit einem glas wein (darf zur zeit auch glühwein sein, nur die harten kommen …) in den garten setzen, lesen und sich die frage stellen ob man selbst und der garten noch zu retten sind …

annette lepple, ‚geniessen statt giessen: trockenheitstolerante gärten gestalten‘, 144 s., bosch., stuttgart: ulmer verlag 2018, ISBN 978-3-8001-5844-7

blog: personaleden.wordpress.com

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