gartenbücher (gartenträume, gärten im münsterland & rosen)

si hortum in bibliotheca habes, deerit nihil.

cicero hat gut reden … platzprobleme kannte er wohl nicht. im beet oder in den pflanzkübeln wird immer mal ein platz frei. im buchregal ist es eng. sehr eng. trotz anschaffungsbeschränkung (ein buch muss min. ein jahr auf der leseliste im oberen bereich bleiben … schaffen wenige …) kommt es zu muss-ich-haben-erwerbungen & spontankäufen. notizen beim umstapeln der gartenbücher:

gartenbücher_500

traumgärten / gartenträume

annette lepple ist fotografin (die lieber auf das richtige licht wartet als mit dem photoshop rumzuspielen), schreibt regelmässig u.a. für ’schweizer garten‘ und hat gartendesign an der klc school of design in london studiert. 2015 erhielt sie den european garden photography award.

mit dem ersten buch ist das so eine sache. viel herzblut macht das editieren gerne so gut wie unmöglich. der autor will sich positionieren. in die wahrscheinlich grösste falle bei der produktion von gartenbüchern ist annette lepple mit ‚gartenträume – gärten mit gefühl‘ nicht getappt: der band ist nicht die ansammlung der ewig gleichen gärten. kein weiteres coffee table book sondern eine sehr persönliche auswahl. die gärten, die jeder mal fotografiert haben „muss“, fehlen. annette lepple zeigt privatgärten: ihre traumgärten, die gärtenträume der besitzer. die meisten anlagen hat der leser kaum oder noch nie gesehen. entdeckungen jenseits der hauptrouten der gartenreisen sind garantiert. das gilt besonders für den zuletzt dokumentierten garten in diesem band: mas de béty. ihr eigener garten in der nähe von najac im département aveyron, midi-pyrénées. der garten ist recht jung, vor ungefähr drei jahren siedelte lepple mit mann und hund von irland ins gebirgige südfrankreich über. rosen und lavendel (frei von den üblichen südfrankreich-klischees), ein senkgarten, streuobstwiese und gemüse & der neue pavillion aus eichenstämmen und alten türen. regelmässige updates werden geblogt: personaleden.wordpress.com. südfrankreich das heisst sonne, sommer … im winter ist der garten (m)ein traum. das kann man in der dezember ausgabe der zeitschrift ‚gardens illustrated‘ (issue no. 228, 2015) sehen. auf 400 meter höhe schwebt der garten über den im tal hängenden wolken …

annette lepple, ‚gartenträume – gärten mit gefühl‘, 160 s., geb. busse seewald, stuttgart 2015.

münsterland: gärten & parks

schlossgärten und landschaftsparks, klostergärten, friedhöfe, stadtparks und einige private gärten im münsterland und schlenker richtung pott. ein buch des für münsterland-bücher eingespielten duos andreas lechtape und hans-peter boer.

der fotograf andreas lechtape ist spezialist für architektur und kunst. klare sachliche aufnahmen mit einem guten gespür für das natürliche licht. der architektonische blick kommt den gartenfotos zugute: wenige emotionshaschende blümchen sondern ein blick auf die struktur der gärten. geradezu eine visuelle erholung im vergleich zu den meisten gartenbüchern. hans-peter boer war von 2005 bis 2014 kulturdezernent in der bezirksregierung münster, ist krimiautor und ein ausgewiesener kenner der kulturgeschichte des münsterlandes. gärten sind nicht sein fachgebiet.

es fehlt jeglicher hinweis auf die abgebildeten pflanzen. so sind die für gartenbücher unvermeidlichen röschen-fotos (haus ruhr, senden) nur mit der ebenfalls unvermeidlichen tautologie von getrude stein versehen und das (von der marketingabteilung ausgewählte?) titelbild zeigt natürlich ebenfalls ein röschen (plus deko: venus im schlossparl lembeck, dorsten).

das buch zeigt die grossen bzw. bekannten anlagen (anholt, nordkirchen, bagno, das rüschhaus, der wildpark in dülmen …), friedhöfe (alte aufgelasse wie der hörster- und der überwasserfriedhof in münster + der waldfriedhof lauheide) & öffentliche parks, einige private gärten & verweise auf die aktion „offene gärten“, moderne anlagen (wie der bernepark in bottrop-ebel von gross.max und piet oudolf), die ‚freie gartenakademie‘ von wilm weppelmann …

der band beschränkt sich auf „klassische“ garten- und parkanlagen. es fehlen: „gärten“, die für die skulptur projekte im stadtraum entstanden sind. fragestellung am rande: kann eine „skulptur“ ein eigenständiger „garten“ sein? was ist skulptur und wo fängt eine ansammlung von pflanzen an ein garten zu werden?

es werden zwar skulpturen, die für verschiedene skuptur projekte in münster entstanden sind, in einzelnen gärten/parks erwähnt. es fehlen aber gärten (oder „gärten“?) wie ‚das schiff‘ (1987) von ludger gerdes, ’sanktuarium‘ (1997) von hermann de vries oder der ’study garden‘ (1987) von siah armajani. beim kapitel „rund um den aasee in münster“ fragt man sich, warum jenseits der ‚giant pool balls‘ (claes oldenburg,1977) die taxus baccata / europäische eibe nicht ins layout passte: ‚less sauvage than others‘ (2007) von rosemarie trockel.

besonders auffällig wird der eher journalistisch-touristische blickwinkel des buches z.b. bei dem 1808 eröffneten hörster friedhof in münster. heute eine öffentliche grünanlage. ruhestätte vieler bekannter münsteraner. dass sich hier das grab von clemens maria franz von bönninghausen hier befindet, wird zwar erwähnt, dass der homöopath auch der gründer des landwirtschaftlichen vereins für den regierungs-bezirk münster, direktor des botanischen gartens und autor der ersten flora des münsterlandes (‘prodromus florae monasteriensis westphalorum’, münster, 1824) war, fällt unter den tisch.

der band gibt einen ersten überblick über gärten in der münsterländer parklandschaft. die standards sind vertreten. mehr nicht. adressen, websites, öffnungszeiten? fehlanzeige. zu viele unterschiedliche bildgrössen machen das layout unruhig. der eindruck, dass das buch mit erscheinungstermin november 2015 für den schnellen abverkauf – weihnachtsgeschäft – produziert wurde, kommt auf …

hans-peter boer und andreas lechtape, ‚gärten und parks im münsterland, 248 s., geb., aschendorff verlag, münster 2015.

röschen rosen

die besten gartenbücher findet man meist nicht auf den bestsellerlisten und unter den neuerscheinungen. ‚begegnung mit rosen‘ von alma de l’aigle erschien bereits 1957. der reprint von 2002 (hrsg. v. anke kuhbier, martina nath-esser und brita reimers) ist vergriffen. der vorteil bei älteren gartenbüchern: die neuen überzüchteten sorten fehlen.

was soll man schreiben? der rezension von karl foerster in ‚die zeit‘ (15.08.1957) ist nichts hinzuzufügen → „blumenduft und gartenglück“.

alma de l’aigle, ‚begegnung mit rosen‘, 337 s., geb., hanseatische druckanstalt, hamburg, 1957.

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5 Gedanken zu “gartenbücher (gartenträume, gärten im münsterland & rosen)

  1. Ich freue mich über den Platz in deinem Bücherregal, lieber Detlev. Danke. Wenn dich die Wanderlust einmal in meine Ecke verschlägt, dann melde dich…du kannst es ja mit deiner Liebe zu Esskastanien verbinden. 🙂

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