vogelfutter: sorbus aucuparia

sorbus aucuparia l. / vogelbeere, eberesche auch drosselbeere oder kram(m)etsbeere (als bezeichnung ebenfalls für die beeren des juniperus communis / gemeinen wacholders gebräuchlich), der zusatz aucuparia dieses sorbus stammt vom lat. avis capere = vögel fangen.

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im wald

§. 13 Der Vogelbeer=Baum ist in hiesigen Landen ziemlich bekannt / aber von unterschiedlichen Arten / welche man meist an der Frucht und an den Kerben des Laubes erkennet / indem einer stärcker und gekerbteres Laub / wie auch röthere kleinere / und grössere Früchte / als der andere trägt. Diejenigen / auf denen die kleinesten und runde Beerlein herfür kommen / sind die besten / denn der Krammets=Vogel liebet diese am meisten, als die er am leichtesten verschlucken kan / geben auch guten Saft und halten sich lange frisch. […] Das Holz ist fest und hart / auch sehr wohl zu allerhand Arbeit und zum Brennen zu gebrauchen / es wächset gleich einem Kirsch=Baum kan von denen Kernen / so etwas flach sind / gar leicht ingleichen von Schnittling oder Sprossen aufgebracht und der Stamm zu Ober=Holtz gezogen werden; dann es verdrucket das Unter=Holtz sehr wenig / schlägt auch aufn Stamm und Stock wieder aus / und ist also für ein sehr nutzbar Holtz zu achten.

§. 14. Der Vogelbeer=Baum mag gar füglich unter die wilden oder Wald=Bäume gezehlet werden / und wächset durchgehends gerne auf den Gebürgen / als auf denen Böhmischen / Harze / Lothringischen / Burgundischen und Schweizerischen zu sehen. Er lässet sich leichtlich fortpfanzen / so wohl von Beeren / als von Aussprößlingen: Die Beeren werden gesäet / gleichwie ander Baum=saame oder buchene Kern, sie pflanzen sich auch selber leichtlich fort, daher man zum öfftern siehet / daß wenn dergleichen Saamen in die alten holen Weiden gefallen / er darinne wurtzelt / und aus derselben heraus wächset / auch seine Wurtzel durch die alte Weide / bis in die Erde hinein treibet; desgleichen findet sichs daß sie in alten Mauren und Ruinen aufwachsen. Man kan sie auch in der Baum=Schule aufziehen / und hernach versetzen; da sie denn wenn man sie mit Fleiß aushebet und verpflanzet / gar leicht fortkommen; und besser als wenn sie auf der ersten Stellen geblieben / tragen auch bessere Frucht. […]

§. 15. An denen Wänden oder Zäunen item in Alleen geben sie einen schönen prospect, weil sie hübsch gerade und oben traublicht zuziehen. Wenn sie blühen sind sie auch gar fein anzusehen / absonderlich aber / wenn sie voll Früchte hangen / so scheinet es als wenn sie mit einem rothen Tuch überzogen / oder bekleidet wäre. […] / mag auch mit unter das lebendige Holtz [→ dustere wälder, ober- und unterholz & → beschneidung: in der landschaft und im garten] gesetzet werden / weil es / wenn es nicht gar zu alt abgehauen wird / wieder ausschläget / und schnelle daher wächset.

hans carl von carlowitz, ‘sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche nachricht und naturmäßige anweisung zur wilden baum-zucht, […]’, leipzig, 1713.

das von carlowitz beschriebene wachsen der eberesche aus toten bäumen ist im oberharz besonders auf dem quitschenberg zu beobachten. lange war von quitschen, im harz gebräuchliche bezeichnung für ebereschen, auf dem berg zwischen torfhaus und dem brocken, nichts zu sehen. fichten monokultur für den bergbau. im februar 1992 entwurzelte ein sturm die bereits vom borkenkäfer geschwächte monokultur. es wurde nicht aufgeräumt. das totholz blieb liegen. quitschen erobern sich ihren platz zurück und wachsen aus toten fichten. ein für den harz vor dem bergbau typischer mischwald kann wachsen …

ach ja, das mit den drosseln… genauer handelt es sich um turdus pilaris / wacholderdrossel, krammetsvögel genannt. die beeren wurden als köder beim fang der vögel benutzt. 1908 verschwanden die vögel aus der küche, das reichsvogelschutzgesetz verbot die jagd.

im garten

im „eigenen garten“ wird die quitsche natürlich nur als vogelfutter genutzt …

SORBUS (Aucuparia) foliis pinnatis, utrinque glabris. [albrecht von] Hall[er] [enumeratio methodica stirpium] Helv[etiae indigenarum, 1742] 250. Service-tree with winged leaves which are smooth on both sides. Sorbus sylvestris, foliis domellicæ similis. C[aspar] B[auhin] P[inax theatri botanici, 1623] 415. Wild Service with leaves like the cultivated, commonly called Quicken, Quickbeam, Mountain Ash, and in the north, Roan-tree.

[…]

This tree is cultivated in the nursery-gardens, and sold as a flowering shrub; but, if they were permitted to grow, they would rise to a great height, and have, large stems. The leaves of this tree make a pretty variety when they are mixed with others during the time of their flowering, and also in autumn. When their fruit is ripe they make a pretty appearance, but the blackbirds and thrushes are so fond of this fruit, as to devour it as soon as it ripens, so that in those places where there is a plenty of these birds, there will not be any, of the fruit left to be perfectly ripe; however, as it is good for these songsters, where people have a desire of drawing a number of these birds about their habitations, they should plant a quantity of these trees for that purpose.

philip miller, ‘the gardeners dictionary: containing the best and newest methods of improving the kitchen, fruit, flower garden, and nursery; as also for performing the practical parts of agriculture: including the management of vinyards, […]. london, 1768 (8th edition).

4 Gedanken zu “vogelfutter: sorbus aucuparia

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