die pflanze zum sonntag: tanacetum balsamita / bibelblatt

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tanacetum balsamita l. oder balsamita vulgaris / frauenminze, balsamkraut, marienblatt, bibelblatt, …

ursprünglich aus dem mittelmeerraum ist die pflanze bereits in der ‚capitulare de villis vel curtis imperii‘ (um 812), der von karl dem grossen erlassenen landgüterverordnung, als costum zu finden. im st. galler klosterplan (zwischen 819 und 826 im kloster reichenau entstanden) wird eine pflanze als costo bezeichnet. der reichenauer abt walahfrid strabo beschreibt ihre medizinische wirkung im ‚liber de cultura hortorum‘ (kurz ‚hortulus‘, um 840). im kapitel über sclarea (salvia sclarea / muskatellersalbei), wobei nicht ganz geklärt ist ob es sich hier nicht um tanacetum balsamitoides schultz. bip. / wucherblumen handelt:

[…]. eam iuxta hortensis non extima costi

Silva latet stomachique moras ventremque salubri

Provocat auxilio radicis munere coctae.

Neben dem Salbei steht verborgen, nicht als geringste Staude, die Frauenminze. Kocht man ihre Wurzel, befördert sie, heilsam helfend, träge Verdauung und Stuhlgang.

übersetzt und hrsg. von otto schönberger, stuttgart, 2002.

neben dem anbau in kloster- und bauerngärten auf dem kontinent gehörte die pflanze im elisabethanischen zeitalter in england – costmary, alecost oder mint geranium genannt – zum standart in knot gardens:

Costmarie groweth with round hard stalks two foote high, bearing long leaues finely nicked in the edges, of an ouerworne whitish greene colour. The tuft or bundle is of a golden colour, consisting of many little flowers like clusters ioined togither in a rundle, […]. The roote is of a wooddie substance, by nature very durable, not without a multitude of little strings hanging thereat. The whole plant is of a pleasant smell, sauour and taste.

john gerard, ‘the herball or generall historie of plantes’, london, 1597.

die bezeichnung bibelblatt ( cf. tanacetum balsamita var camphorata), in bayern schmeckablaadl, stammt von der verwendung der blätter als lesezeichen in gebet- oder gesangbuch bzw. der bibel. der geruch hilft gegen die ermüdungserscheinungen die bei predigten aufkommen…

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versuchsanordnung: bibelblatt in ‚laudate – gebetbuch und gesangbuch für das bistum münster‘, münster, 1955 & william hogarth, ‚the sleeping congregation‘, 1736 in david bindman, ‚hogarth and his times: serious comedy‘, london / berkeley and los angeles, 1997.

 

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