lilium candidum

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pflanzensymbolik

Die Lilie, (Lilium candidum) war der Juno geweiht, sie ist das Symbol der Reinigkeit, Unschuld, Sittsamkeit und der Hoffnung. In dem so geschätzten mythologischen Werke: les Siècles Pajens [, ou dictionnaire mythologique, héroique, politique, littéraire et géographique de l´antiquité‘ ,1784] par M. l’abbé [antoine] S [abatier]de Castres im 4. Bdr. S. 266 werden die Pflanzen, die der Juno geheiligt waren, angeführet, und da heißt es wörtlich: „Parmi les plantes le Dictame le Pavot et le Lis sur tout etoient agréables à cette Déesse, on appelloit le Lis la Rose de Junon, (Rosa junonia). Le Gyrald Hist. Deor. Syntagm. 2., “ Auch in der christlichen Relegion stehet diese schöne Blume in großen Ansehen, welches die Frau von Genlis in ihrer Botanik der Geschichte und Literatur, sehr belehrend entwickelt hat.

friedrich ludwig von sckell, ‚beiträge zur bildenden gartenkunst für angehende gartenkünstler und gartenliebhaber‘, münchen, 1825, zweite vermehrte und verbesserte auflage (erstausgabe: 1818).

Die Lilie ist, wie die Fabel sagt, aus der Milch der Juno entstanden. […] Diese Blumen sind die Symbole der Reinigkeit und Sittsamkeit, und diese sind in der That die wahren Eigenschaften und Attribute der Schönheit. (Mit einer Lilie, als dem Sinnbilde der Jungfräulichen Reinigkeit, wird öfters die Mutter des Herrn abgebildet. Dem heiligen Joseph giebt man diese Blume gleichfalls in die Hand.) […] (bey den Muslemin ist die Lilie ebenfalls ein Symbol der Reinigkeit, und wird in dieser Beziehung von Ihnen dem ägyptischen Joseph beygelegt. Bey Orientalen ist die Lilie zugleich Blume der Freiheit, indem sie mit ihrem Stengel gerade und hoch gen Himmel aufwächst.)

(Die Lilie war bey den Alten gleichfalls ein Symbol der Hoffnung, und derum auch das Bild eines Thronfolgers, wegen der auf ihm ruhenden Hoffnungen und Erwartungen des Volkes, in welcher Beziehung ihre Bildliche Bedeutsamkeit durch ihren scepterähnlichen, mit Blumen gekrönten Stengel um so sinnvoller und sprechender war. […]; und so läßt Virgil in seiner Aeneis [6. buch, 883-884] den Anchises in Ansehnung des Marcellus, des muthmaßlichen, in der Blüthe der Jugend gestorbenen Nachfolgers und Thronerbens des Augustus ausrufen: Bringt Lilien mit vollen Händen.)

(Im hohen Liede Salomons dient die Lilie, die häufig in Palästina wächst, zu mehreren Vergleichen.)

(Der Leuchter in Heiligthume des Herrn war nach der Vorschrift des Moses [1. buch moses, 25, 31-40] am Hauptrohre und an seinen Armen mit goldenen Lilien verziert. Der tyrische Baumeister Hiram [abif], der den Tempel Salomons baute, gab den Spitzen, oder den Knöpfen der Beyden Säulen, die im Vorhofe am Eingange des Tempels errichtet wurden, die Form von Lilien [1. buch der könige, 7, 13-22]).

stéphanie félicité du crest de saint-aubin, comtesse de genlis, ‚die botanik der geschichte und literatur oder die pflanzen in in ihren mythologischen, religiösen, bürgerlichen, sinnbildlichen, abergläubischen, sprüchwörtlichen, ästhetischen, und geschichtlichen beziehungen‘ überseßt und vermehrt von dr. k. j. stang, bd. 2, bamberg /würzburg, 1813 (franz. ‚la botanique historique et littéraire‘, paris, 1810

kunstgeschichte: madonnen-lilie

eine kleine lilie ist bei der kölschen mona lisa im wallraf-richartz-museum, der ‚madonna im rosenhag‘ von stephan lochner um 1450, im hintergrund zu sehen rosenlaube. hier stehlen ihr andere marienpflanzen die show. bei der berliner madonna in der gemäldegalerie, ‚maria mit dem kind und singenden engeln / tondo raczynski‘ von sandro botticelli um 1477, treten die lilien, zwar ebenfalls im hintergrund, verstärkt auf.

in der vordergrund bringt sie der erzengel gabriel, dessen attribut die weisse lilie ist, bei der verkündigung der geburt jesu. um hier nur zwei bilder zu erwähnen die sich heute beide in der galleria degli uffizi in florenz befinden: die ‚annunciazione di cestello‚ von botticelli, circa 1489-1490, und die ‚annunciazione‚ von leonardo da vinci (und andrea del verrocchio), circa 1472–1475.

natur(schutz) vs garten & religion

die pflanze überlebt in museen und als zierpflanze in kloster- und bauerngärten. in der region in der sie ihre symbolische jüdisch-christliche bedeutung erhielt, in palästina, droht sie zu verschwinden:

Threat of Extinction through Overuse

An example of this fate is provided by genuinely wild forms of the White or Madonna Lily, Lilium candidum L. The ornamental status of this lily is of great antiquity. Together with the Lotus flower, Nelumbo alba L.; Lilium candidum is regarded as the earliest species to be taken into cultivation for its decorative qualities. According to [otto] Warburg [‚heimat und geschichte der lilie (lilium candidum)‘, feddes repertorium , beiheft 56] (1929), the White Lily may already have been cultivated in Asia Minor in the middle of the second millenium BC. Moreover, it is depicted on artefacts from the Aegean Bronze Age, e.g. on a vase excavated on the Cycladian island of Santorini (Thera) and dating to before 1.5000 BC […]. From the excavation at Thera it can be inferred that lilies growing wild were actually used as cutflowers at the time. […] In subsequent eras L. candidum became widley distributed in the Neat East and Mediterranean as an ornamental and medicinal plant and reached central Europe during the Early Middle Ages.

Lilium candidum, […], has no near relatives among southwest Asian or Mediterranean lilies. Species resembling it most closely morphologically, […] are native to the Far East. According to Warburg (op. cit.) the area of origin of the White Lily my have extented over formerly forest-covered partes of Asia Minor, Thessaly, the eastern Mediterranean and southern part of the Balkan Peninsula. […]

The shrinkage of the postulated wild distribution must be basically due to the disappearance of forests from the area since the last pluvial era. […]

The area of northern Israel and the Lebanon was densely populated in Biblical and especially Roman times. The ancient use of flowers for ornamental forestalled seed production, while utilization of bulbs for preparation of wound ointments interfered with vegetative reproduction. In Christian times the flower was adopted as a symbol of chastity by the Church. Until recent times (see Fonck in Warburg, 1929), residual wild colonies were further reduced by the use of flowers for altars and transplantation to monastery gardens.

aharon horovitz and avinoam danin, ‚relatives of ornamental plants in the flora of israel‘ in ‚israel journal of botany‘. vol. 32, 1983.

[…] Schawet die Lilien auff dem felde / wie sie wachsen / Sie erbeiten nicht / auch spinnen sie nicht. Jch sage euch / Das auch Salomon in aller seiner Herrligkeit nicht bekleidet gewesen ist / als der selbigen eins.

matthäus 6, 28 – 29, übersetzung von martin luther, 1545.

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3 Gedanken zu “lilium candidum

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