Niemandsland entsteht da, wo nach Ausscheiden einer Bauzone die landwirtschaftliche Nutzung obsolet, die städtische Nutzung aber noch nicht genügend rentabel ist. Niemandsland ist der Leerraum zwischen dem Stadtkörper und seinem zu groß geschneiderten Planungsanzug. […]

Natürlich bedroht die Planung auch das Niemandsland. Diese Bedrohung nennt sich „Grünplanung“. Zugegeben, die Grünplanung hat es in unseren Städten schwer: Bebaute Flächen lassen sich nicht in Grünflächen verwandeln. Sie muß also darauf ausgehen, Grünflächen in Grünflächen zu verwandeln. Seitdem die Stadtgärtner sich nicht darauf beschränken, den Stadtpark und einige andere Anlagen zu begrünen, ist das Niemandsland gefährdet.

[…] Durch die totale Begärtnerung entsteht […] nicht das, was die Gärtner sich davon erhoffen – eine Stadtlandschaft; im Gegenteil. Je mehr dem Auge schon vorgegeben wird, desto weniger ist es geneigt, dieses Gesehene unter das Bild einer Landschaft zu subsumieren. Die Art und Weise, wie Städte begärtnert werden, steht immer noch unter dem Anspruch der dreißiger Jahre: Funktionalisierung und Hygienisierung.

lucius burckhardt, ’niemandsland‘ zuerst in ‚werkbund material‘ # 2, 1980, wiederabgedruckt in ‘warum ist landschaft schön? die spaziergangswissenschaft’, hrsg. von markus ritter und martin schmitz, berlin, 2006.

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brachland oder „die totale Begärtnerung“ / ’niemandsland‘ von lucius burckhardt

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