„[…], und der kleine Garten am Hause kann wieder nach künstlerischen Grundsätzen […] angelegt werden“ / ‚blumenkultus‘ von alfred lichtwark

Die Tage des englischen Gartens sind gezählt, so bald bei uns eine wirkliche Blumenliebhaberei wieder erwacht , wie sie das siebzehnte und achtzehnte Jahrhundert gekannt haben, und die bei den jetzt üblichen Gartenanlagen keine Befriedigung finden kann. Wo soll man die Blumen unterbringen? Die Blume, heute das Stiefkind unseres Gartens, muss wieder wie in alten Zeiten seine Herrin werden.
Und wenn ein Blumenfreund mit dem Gedanken umgeht, sich draussen ein Haus zu bauen, so wird er vom Garten ausgehend das Haus gestalten, wie es in einen Blumengarten passt, und mit den architektonischen Motiven rechnen, die unsere alte, behagliche Bauweise ihm zur Verfügung stellt.
So kann die Liebe zur Blume uns schliesslich sogar zu einer liebenswürdigen, künstlerischen Weise des Hausbaues zurückführen, denn so bald der Hausherr von seinem Garten wieder Blumen verlangt, ist die klägliche Nachahmung der englischen Landschaft überwunden, und der kleine Garten am Hause kann wieder nach künstlerischen Grundsätzen mit geraden Wegen und Blumenbeeten angelegt werden; und wenn wir erst den künstlerischen Garten haben, muss in der Architektur wieder ein künstlerischer Geschmack zur Geltung kommen.

alfred lichtwark, ‚der garten am hause‘ in ‚blumenkultus – wilde blumen‘, dresden, 1897.

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