„…ich habe mich an diese Blumen, von Kindheit an, so gewöhnt,…“ / annette von droste-hülshoff, der frühling und veränderungen im garten

[…] Mama hat in meiner Abwesenheit, die Hecke um den Garten wegnehmen lassen, allerdings wird die Aussicht dadurch freyer, aber vorläufig habe ich doch einen großen Schaden erlitten, – alle meine guten Pflänzchen, die ich selber von Hülshoff in einem Korb so schwer her getragen, alle meine PULMONARIA, Löwenmäulchen, VINCA, sind hin! sie standen an der Hecke – ich habe mich an diese Blumen, von Kindheit an, so gewöhnt, daß ich meine, ohne sie sey es nur halb Frühling, bey Hülshoff wuchsen sie zu Hunderten wild, hier nicht, deshalb hatte ich sie, schon in den ersten Jahren unseres Hierseyns, herüber geholt, sie wollten sich zwar nicht recht vermehren, aber ich sah doch jeden Frühling etwas Gewohntes – nun! – TRANSEAT CUM CÆTERIS! – […]

annette von droste-hülshoff an ihren schwager joseph von laßberg, märz 1837.

rüschhaus_schücking 

das rüschhaus von der gartenseite. ill. von carl schlickum aus levin schücking und ferdinand freiligrath, ‚das malerische und romantische westphalen‘, paderborn, 1872.

das rüschhaus – besitzerwechsel und veränderungen im garten:

das haus wurde von 1745 bis 1748 von dem architekten johann conrad schlaun als persönlicher sommersitz gebaut. ein maison de plaisance in der grundform eines westfälischen bauernhofes: roter backstein mit fenster- und türeinfassungen aus baumberger sandstein und weissen sprossenfenstern – eine westfälische sinfonie. schlaun entwarf einen von gräften (wassergräben) umgebenen barockgarten sowie einen küchengarten. nach dem tot schlauns wurden vier skulpturen – puttos die jahreszeiten/elemente darstellend – aus dem garten von schlauns stadthaus in münster, im 2. weltkrieg komplett zerstört, aufgestellt.

1825 erwarb clemens-august II. von droste-hülshoff, der vater der dichterin annette von droste-hülshoff, das anwesen. 1826 zog seine witwe therese, geb. von haxthausen, zusammen mit ihren töchtern annette und jenny, von der nahen burg hülshoff in das rüschhaus als witwensitz. der garten war dem biedermeierlichen zeitgeschmack angepasst und die barocke struktur aufgelöst: es entstand ein bäuerlicher zier- und nutzgarten. für jenny von droste-hülshoff (später verh. von laßberg), eine begeisterte blumenzüchterin, wurde in der ehemals barocken anlage ein gartenhaus/treibhaus aus backstein gebaut. 1949 öffnete die famile droste-hülshoff haus und garten als museum.

1979 kaufte die stadt münster das rüschhaus, und 1983 wurde der garten nach den entwürfen von schlaun teilweise rekonstruiert. die barocke struktur ist heute durch buchsbaumhecken wieder erkennbar. die puttos und das gartenhaus haben die veränderungen überstanden. seit 2012 gehört das gebäude und der garten zur annette von droste zu hülshoff-stiftung.

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3 Gedanken zu “„…ich habe mich an diese Blumen, von Kindheit an, so gewöhnt,…“ / annette von droste-hülshoff, der frühling und veränderungen im garten

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