nachhaltigkeit / ’sylvicultura oeconomica‘ von hans carl von carlowitz

Wird derhalben die größte Kunst/Wissenschaft/Fleiß und Einrichtung hiesiger Lande darinnen beruhen / wie eine sothane Conservation und Anbau des Holtzes anzustellen / daß es eine continuierliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe / weiln es eine unentberliche Sache ist / ohne welche das Land in seinem Esse nicht bleiben mag.

hans carl von carlowitz,  ’sylvicultura oeconomica‘, 1713

der begriff ’nachhaltigkeit‘ – heute ein, manchmal sehr strapaziertes, modewort für alle lebenslagen und bereiche – kommt aus der forstwirtschaft:  1713 ging es dem oberberghauptmann des kurfürstentums sachsen  hans carl von carlowitz (1645-1714) in seinem buch ‚sylvicultura oeconomica‚ um die „nachhaltene nutzung“ des waldes für den bergbau – eine neubeflanzung von gerodeten flächen, die später aber auch zu den für bergbaugebiete so typischen fichten-monokulturen geführt hat.

der vollständige titel des ersten werkes über die fortswirtschaft lautet:

„Sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur Wilden Baum-Zucht, nebst Gründlicher Darstellung, wie zuförderst durch Göttliches Benedeyen dem allenthalben und insgemein einreissenden Grossen Holtz-Mangel, vermittelst Säe-Pflantz- und Versetzung vielerhand Bäume zu prospicieren, auch also durch Anflug und Wiederwachs des so wohl guten und schleunig anwachsend, als anderen gewüchsig und nützlichen Holtzes, ganz öde und abgetriebene Holtz-Ländereyen, Plätze und Orte wiederum Holzreich, nütz und brauchbar zu machen; Bevorab von Saam-Bäumen und wie der wilde Baum-Saamen zu sammeln, der Grund und Boden zum Säen zuzurichten, solche Saat zu bewerckstelligen, auch der junge Anflug und Wiederwachs zu beachten. Daneben das sogenannte lebendige, oder Schlag-an Ober- und Unter-Holz auffzubringen und zu vermehren, welchen beygefügt die Arten des Tangel- und Laub Holzes, thels deren Eigenschafften und was besagtes Holtz für Saamen trage, auch wie man mit frembden Baum-Gewächsen sich zu verhalten, ferner wie das Holz zu fällen, zu verkohlen, zu äschern und sonst zu nutzen. Alles zu nothdürfftiger Versorgung des Hauß-Bau-Brau-Berg- und Schmeltz-Wesens, und wie eine immerwährende Holtz-Nutzung, Land und Leuten, auch jedem Hauß-Wirthe zu unschätzbaren großen Auffnehmen, pfleglich und füglich zu erzielen und einzuführen, worbey zugleich eine gründliche Nachricht von den in Churfl. Sächß. Landen Gefundenen Turff Dessen Natürliche Beschaffenheit, grossen Nutzen, Gebrauch und nützlichen Verkohlung Aus Liebe zu ‚Beförderung des algemeinen Bestens beschrieben“.

4 Gedanken zu “nachhaltigkeit / ’sylvicultura oeconomica‘ von hans carl von carlowitz

  1. Pingback: salix im allgemeinen & “der Nutzen von denen Weiden bestehet vornehmlich darinnen daß man die von der größern Art alle 3. Jahr köppen” d.h. kopfweiden machen kann / ‘sylvicultura oeconomica’ von hans carl von carlowitz | theorie d

  2. Pingback: salix im allgemeinen & “der Nutzen von denen Weiden bestehet vornehmlich darinnen daß man die von der größern Art alle 3. Jahr köppen” d.h. kopfweiden machen kann / ‘sylvicultura oeconomica’ von hans carl von carlowitz | theorie d

  3. Pingback: keschde (pfälz. dialekt f. ess- oder edelkastanie, lat.: castanea sativa) | theorie der gartenkunst

  4. Pingback: wiesenbau im oberharz im allgemeinen & pfingsten auf den buntenböcker bergwiesen | theorie der gartenkunst

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